Lehre Elektrotechnik & Installationstechnik: Was du im Mostviertel wirklich machst
Licht an, Handy laden, warm duschen — du machst das hundertmal am Tag, ohne eine Sekunde darüber nachzudenken. Hinter jedem dieser Handgriffe steckt jemand, der genau weiß, wie Strom, Wasser und Wärme ins Haus kommen. Wenn du dich fragst, ob eine Lehre Elektrotechnik oder eine Lehre in der Installations- und Gebäudetechnik etwas für dich ist: Hier steht, was du in diesen Berufen tatsächlich den ganzen Tag tust. Nicht die Hochglanzversion aus dem Prospekt, sondern das, was dich in der Werkstatt und auf der Baustelle erwartet.
Was du in der Lehre Elektrotechnik wirklich machst
Elektrotechnik ist weit mehr als Kabel verlegen und Steckdosen setzen. Du planst Anlagen, liest Pläne, misst nach, suchst Fehler und bringst Systeme zum Laufen, die vorher nur auf Papier existiert haben. In einem Wohnhaus montierst du Verteiler, verlegst Leitungen, setzt Schalter und schließt die Photovoltaikanlage am Dach an. Im Gewerbebetrieb steuerst du Maschinen, verdrahtest Schaltschränke und programmierst Steuerungen, die eine Produktionslinie in Bewegung halten.
Der Teil, den die meisten unterschätzen: die Fehlersuche. Eine Anlage steht, niemand weiß warum, und du hast das Messgerät in der Hand. Wenn du der Typ bist, der wissen will, warum etwas nicht funktioniert, statt nur zu fluchen, bist du hier goldrichtig. Und ja — Sicherheit ist in diesem Beruf kein Nebenthema. Du lernst von der ersten Woche an, wie du mit Spannung umgehst, ohne dass es gefährlich wird.
Modullehrberuf: Grundmodul, Hauptmodul, Spezialmodul
Elektrotechnik ist ein Modullehrberuf. Klingt sperrig, ist aber eigentlich praktisch: Du startest mit einem Grundmodul, in dem alle dasselbe Handwerkszeug lernen — Messen, Schalten, Installieren, Pläne lesen, Sicherheitsregeln. Danach entscheidest du dich gemeinsam mit deinem Betrieb für ein Hauptmodul und vertiefst dich in eine Richtung.
Typische Richtungen sind die Elektro- und Gebäudetechnik (alles, was ein Haus mit Strom, Licht und Steuerung versorgt), die Anlagen- und Betriebstechnik (Maschinen und Produktionsanlagen), die Energietechnik (Erzeugung und Verteilung) und die Automatisierungstechnik. Wer noch tiefer will, hängt ein Spezialmodul dran und verlängert die Lehre um ein halbes Jahr.
Ein Hinweis, damit du nicht auf veraltete Listen hereinfällst: Die Ausbildungsordnung für die Elektrotechnik wurde mit 1. September 2026 überarbeitet, einzelne Modulbezeichnungen haben sich dabei geändert. Welche Module dein Wunschbetrieb tatsächlich anbietet, steht in der Lehrstellenausschreibung — und die aktuelle Übersicht findest du bei den Lehrberufen.
Installations- und Gebäudetechnik: Wasser, Wärme und Luft
Die zweite große Richtung im Haus ist die Installations- und Gebäudetechnik. Auch das ist ein Modullehrberuf, und auch hier startest du mit einem gemeinsamen Grundmodul: Rohre biegen und verbinden, Werkstoffe kennenlernen, Pläne lesen, sauber arbeiten. Danach geht es in eine der drei großen Richtungen.
- Gas- und Sanitärtechnik: Bäder, Küchen, Leitungen, Armaturen — alles, was mit Wasser und Gas zu tun hat.
- Heizungstechnik: Wärmepumpen, Pelletsanlagen, Fußbodenheizungen, Hydraulik. Der Bereich, in dem sich gerade am meisten bewegt.
- Lüftungstechnik: Komfortlüftungen, Klimageräte, Luftführung in Wohnhäusern und Betrieben.
Wärmepumpen, Photovoltaik und moderne Regelungen haben diesen Beruf in den letzten Jahren ordentlich umgekrempelt. Wer heute eine Heizungsanlage in Betrieb nimmt, arbeitet genauso oft mit einem Tablet wie mit dem Rohrzangenschlüssel. Deshalb überschneiden sich Elektrotechnik und Installationstechnik immer stärker — und deshalb sind beide Berufe im Mostviertel so gesucht.
Elektrotechnik oder Installationstechnik — was passt besser zu dir?
Beide Berufe sind technisch, beide sind gefragt, beide zahlen anständig. Der Unterschied liegt im Detail, und der ist größer, als er von außen wirkt.
Die Lehre Elektrotechnik ist der Weg für dich, wenn dich Logik reizt: Was passiert, wenn ich hier schalte? Warum meldet die Steuerung einen Fehler? Du arbeitest viel mit Messgeräten, Plänen und zunehmend mit Software. Vieles davon ist unsichtbar — du siehst nicht, was durch die Leitung fließt, du musst es dir denken können.
Die Installations- und Gebäudetechnik ist greifbarer. Du siehst am Ende des Tages, was du geschafft hast: Das Bad steht, die Heizung läuft, die Leitung sitzt. Dafür ist der Beruf körperlich fordernder — schwere Bauteile, enge Schächte, Arbeit im noch unfertigen Haus bei jedem Wetter.
Ehrlich gesagt: Die beste Entscheidungshilfe ist ein Schnuppertag in beiden Betrieben. Zwei Vormittage kosten dich nichts und ersparen dir womöglich einen Fehlstart. Wenn du grundsätzlich noch schwankst, hilft dir auch der Überblick über die technischen Lehrberufe weiter.
So schaut dein Arbeitstag wirklich aus
Der Tag beginnt früh — in vielen Betrieben im Mostviertel zwischen halb sieben und sieben. Material einladen, Auftrag durchgehen, raus zur Baustelle oder in die Werkstatt. Als Lehrling im ersten Jahr bist du zuerst der, der zuschaut, zureicht und mitdenkt. Das ist keine Schikane, sondern die einzige Art, wie man das lernt.
Ab dem zweiten Lehrjahr wirst du deutlich selbstständiger. Du bekommst eigene Abschnitte zugeteilt, arbeitest Leitungen fertig, montierst Anlagenteile und dokumentierst, was du gemacht hast. Ab dem dritten Jahr traut dir dein Betrieb ganze Aufträge zu, meistens mit einer Fachkraft in Rufweite.
Was dich außerdem erwartet: Kundenkontakt. Du stehst in fremden Wohnungen, in Betrieben, manchmal in Kellern, in denen seit zwanzig Jahren niemand aufgeräumt hat. Höflich sein, erklären können, Dreck wieder wegräumen — das gehört zum Handwerk genauso dazu wie die Fachkenntnis.
Dauer, Berufsschule und was du verdienst
Beide Modullehrberufe dauern in der Regel dreieinhalb Jahre. Kommt ein Spezialmodul dazu, sind es vier Jahre. In dieser Zeit wechselst du zwischen Betrieb und Berufsschule — je nach Beruf und Schule entweder in geblockten Wochen oder an fixen Schultagen. Die Berufsschule ist Teil deiner Arbeitszeit, du bekommst dein Lehrlingseinkommen also ganz normal weiter.
Wie viel das ist, hängt vom Kollektivvertrag deiner Branche und vom Lehrjahr ab — die Elektro- und Elektronikindustrie zahlt anders als ein Gewerbebetrieb. Die Beträge steigen jedes Lehrjahr deutlich an, dazu kommen der 13. und 14. Bezug. Wie sich das zusammensetzt, haben wir im Beitrag zum Lehrlingseinkommen aufgeschlüsselt.
Und wenn du Matura willst: Lehre mit Matura ist in beiden Berufen möglich und für dich kostenlos. Du machst deine Ausbildung fertig und hast danach trotzdem alle Türen offen — Werkmeisterschule, HTL-Abendform, Fachhochschule.
Wie du im Mostviertel zu deiner Lehrstelle kommst
Die gute Nachricht zuerst: In der Elektro- und Installationstechnik suchen die Betriebe der Region seit Jahren mehr Lehrlinge, als sie finden. Deine Ausgangslage ist also besser, als du vielleicht denkst.
Wir von SKILL UP! zeigen dir, welche Betriebe im Mostviertel tatsächlich ausbilden — vom Zweimannbetrieb im Nachbarort bis zum Industriebetrieb mit eigener Lehrwerkstätte. Schau dir in Ruhe die Lehrbetriebe an und filtere dann bei den offenen Lehrstellen, was gerade frei ist.
Drei Dinge, die im Bewerbungsgespräch mehr zählen als dein Zeugnis: Du kommst pünktlich. Du kannst in einem Satz sagen, warum genau dieser Beruf. Und du hast vorher geschnuppert. Wer das mitbringt, bekommt in der Regel eine Zusage — auch mit einem mittelprächtigen Zeugnis.
Was du mitbringen solltest — und was nicht
Es gibt ein paar Dinge, die dir in beiden Berufen wirklich helfen: räumliches Vorstellungsvermögen, Genauigkeit und die Bereitschaft, Fragen zu stellen, statt still etwas Falsches zu montieren. Verlässlichkeit steht ganz oben — auf einer Baustelle hängen Termine aneinander, und wer nicht auftaucht, blockiert vier andere Gewerke.
Und was du nicht brauchst: ein makelloses Zeugnis, technisches Vorwissen aus der Familie oder Muskeln wie ein Kraftsportler. Kein Betrieb erwartet, dass du am ersten Tag einen Schaltschrank verdrahten kannst. Erwartet wird, dass du zuhörst, mitdenkst und dranbleibst, wenn etwas beim ersten Versuch nicht klappt. Der Rest ist Übung — dafür dauert die Ausbildung dreieinhalb Jahre.
Häufige Fragen zur Lehre Elektrotechnik
Brauche ich gute Mathematiknoten für die Lehre Elektrotechnik?
Gut wäre schön, notwendig ist es nicht. Du solltest mit Grundrechnungsarten, Prozent und Dreisatz zurechtkommen — das reicht für den Einstieg. Alles Weitere lernst du in der Berufsschule, und zwar an konkreten Beispielen statt an abstrakten Textaufgaben. Viele, die sich in der Schule mit Mathematik schwergetan haben, kommen im Beruf hervorragend zurecht, weil sie plötzlich sehen, wofür sie rechnen.
Kann ich nach dem Grundmodul noch die Richtung wechseln?
Grundsätzlich ja, aber nur gemeinsam mit deinem Lehrbetrieb — er muss die gewählte Richtung auch ausbilden dürfen. Sprich früh darüber, am besten schon im zweiten Lehrjahr. Ein Wechsel des Hauptmoduls ist deutlich einfacher als ein kompletter Berufswechsel, weil das Grundmodul für alle gleich ist.
Ist die Lehre Elektrotechnik auch etwas für Mädchen?
Selbstverständlich. Der Anteil ist noch niedrig, steigt aber, und die Betriebe im Mostviertel suchen aktiv Mädchen. Körperkraft ist in der Elektrotechnik selten der begrenzende Faktor — Genauigkeit, Geduld und Verstand zählen mehr. Frag im Betrieb einfach nach, wie viele Lehrlinge dort schon ausgebildet wurden und wie die Werkstätte ausgestattet ist.
Was verdiene ich nach der Lehre?
Deutlich mehr als während der Ausbildung — und mit ein paar Jahren Erfahrung, Zusatzqualifikationen oder der Werkmeisterprüfung noch einmal spürbar mehr. Facharbeiterinnen und Facharbeiter in der Elektro- und Installationstechnik sind derzeit sehr gefragt, das schlägt sich auf die Gehälter durch. Genaue Zahlen hängen vom Kollektivvertrag und vom Betrieb ab.
Fazit
Die Lehre Elektrotechnik und die Lehre in der Installations- und Gebäudetechnik sind zwei der handfestesten Entscheidungen, die du mit fünfzehn treffen kannst. Du lernst etwas, das gebraucht wird, du verdienst von Anfang an dein eigenes Geld, und nach dreieinhalb bis vier Jahren hast du einen Beruf, in dem dir so schnell niemand die Arbeit abnimmt. Wenn dich Technik interessiert und du nicht den ganzen Tag sitzen willst, schau dir die Lehrberufe in Ruhe an — und dann geh schnuppern. Erst dort merkst du, ob es passt.