Was verdient man in der Lehre? Lehrlingseinkommen erklärt

Hand aufs Herz: Die erste Frage, die dir beim Thema Lehre durch den Kopf schießt, ist selten „Wie sieht der Lehrplan aus?“ – sondern „Was bleibt am Ende des Monats eigentlich für mich übrig?“ Völlig legitim. Rund ums Lehrlingseinkommen kursieren nämlich jede Menge Halbwahrheiten: mal heißt es, in der Lehre verdiene man „eh nix“, mal wird ein Betrag herumgereicht, der verdächtig hoch klingt. Zeit, dass wir aufräumen und dir zeigen, wie dein Geld wirklich zustande kommt – ohne Fachchinesisch, dafür mit Klartext.

Lehrlingsentschädigung war gestern – heute heißt es Lehrlingseinkommen

Vielleicht kennst du von deinen Eltern noch das Wort „Lehrlingsentschädigung“. Klingt so, als würde man dich für etwas entschädigen – als wärst du eher ein Kostenfaktor als eine Arbeitskraft. Seit 2020 ist damit Schluss: Offiziell heißt es jetzt Lehrlingseinkommen. Und das ist mehr als Wortklauberei. Der neue Begriff macht deutlich, worum es eigentlich geht – du leistest echte Arbeit im Betrieb und bekommst dafür ein echtes Einkommen. Kein Taschengeld, kein Trostpflaster, sondern Lohn für das, was du tust. Diese Haltung zieht sich durch die gesamte Lehre: Du bist von Anfang an Teil des Teams, nicht bloß ein Praktikant, der nebenherläuft.

Wovon dein Lehrlingseinkommen abhängt

Die ehrliche Antwort auf „Wie viel verdient man in der Lehre?“ lautet: Es kommt darauf an. Und zwar vor allem auf diese drei Dinge:

  • Deine Branche. Ein angehender Metalltechniker, eine Bürokauffrau und ein Friseurlehrling starten nicht mit demselben Betrag. Jede Branche hat ihre eigenen Spielregeln, und die Unterschiede sind teils beträchtlich.
  • Der Kollektivvertrag. Das ist das Regelwerk, das Gewerkschaft und Arbeitgeber gemeinsam aushandeln. Darin steht schwarz auf weiß, wie viel dir pro Lehrjahr zusteht. Dein Betrieb darf mehr zahlen, aber niemals weniger – der Kollektivvertrag ist deine Untergrenze und dein bester Freund.
  • Dein Lehrjahr. Im ersten Jahr fängst du niedriger an, danach geht es Stufe für Stufe nach oben.

Was viele überrascht: Der Betrag aus dem Kollektivvertrag gilt österreichweit gleich – egal, ob dein Betrieb im Mostviertel, in Linz oder in Wien sitzt. Was sich unterscheidet, sind die Lebenshaltungskosten drumherum. Auf dem Land kommst du mit demselben Einkommen oft weiter als in der Großstadt. Genau deshalb lohnt es sich, vor der Entscheidung genau hinzuschauen, welche Lehrberufe es überhaupt gibt und wie sie sich unterscheiden – nicht nur beim Geld, sondern auch bei Aufgaben und Zukunftsaussichten.

Warum dein Einkommen mit jedem Lehrjahr steigt

Der wohl schönste Teil: Dein Lehrlingseinkommen ist nicht in Stein gemeißelt, sondern wächst mit dir. Klingt logisch, ist es auch. Am Anfang bist du der Neuling, der vieles erst lernen muss. Nach ein, zwei Jahren packst du selbstständig mit an, übernimmst Verantwortung und bist für deinen Betrieb bares Geld wert. Dieser Zuwachs an Können spiegelt sich direkt in deinem Konto wider.

In vielen Branchen ist das Einkommen im letzten Lehrjahr fast doppelt so hoch wie im ersten. Du wirst also nicht nur besser in deinem Job – du verdienst auch spürbar mehr, ohne den Betrieb wechseln oder groß verhandeln zu müssen. Und nach der Lehrabschlussprüfung? Dann bist du Fachkraft, und dein Einkommen macht noch einmal einen ordentlichen Sprung nach oben. Die Lehre ist damit eine der wenigen Ausbildungen, bei denen dein Verdienst von Jahr zu Jahr planbar wächst.

Brutto ist nicht gleich netto – was abgezogen wird

Kurzer Realitätscheck, damit du bei der ersten Lohnabrechnung nicht aus allen Wolken fällst: Der Betrag im Kollektivvertrag ist der Brutto-Wert. Was tatsächlich bei dir landet, ist das Netto. Der Unterschied entsteht vor allem durch die Sozialversicherung – also deinen Beitrag zu Kranken-, Unfall- und Pensionsversicherung.

Die gute Nachricht: Lohnsteuer zahlst du als Lehrling in der Regel keine, weil dein Einkommen unter der Steuergrenze liegt. Bei vielen Lehrlingen ist der Abstand zwischen brutto und netto deshalb deutlich kleiner als bei fertig ausgebildeten Kolleginnen und Kollegen. Und die Sozialversicherung ist kein rausgeworfenes Geld: Dafür bist du krankenversichert, im Job unfallversichert und sammelst schon jetzt die ersten Beitragsmonate für deine spätere Pension. Von deinem Lehrlingseinkommen bleibt also nicht nur erfreulich viel übrig – der abgezogene Teil arbeitet auch für dich.

13. und 14. Gehalt: dein Bonus im Sommer und zu Weihnachten

Jetzt wird es richtig angenehm. In Österreich gibt es für die meisten Lehrlinge nicht zwölf, sondern vierzehn Auszahlungen im Jahr. Das zusätzliche Geld nennt man Urlaubsgeld (kommt meist im Sommer) und Weihnachtsgeld (rate mal, wann). Diese beiden Sonderzahlungen sind in den allermeisten Kollektivverträgen fest verankert.

Für dich heißt das: Einmal vor dem Sommerurlaub und einmal vor Weihnachten landet ein netter Extrabetrag auf deinem Konto. Perfekt getimt für Festival-Tickets, den ersten eigenen Roller oder Geschenke – oder, wenn du clever bist, fürs Sparbuch. Wer diese Sonderzahlungen von Anfang an mit einplant, hat am Ende des Jahres deutlich mehr in der Tasche, als die reine Monatszahl vermuten lässt.

Nicht nur das Gehalt zählt – die versteckten Pluspunkte

Wenn du das Lehrlingseinkommen nur mit der Zahl auf dem Kontoauszug vergleichst, übersiehst du den halben Vorteil. Denn während andere in deinem Alter noch die Schulbank drücken oder für ein Studium Schulden anhäufen, gilt für dich:

  • Eigenes Geld ab Tag eins. Du verdienst, während du lernst. Kein Nebenjob nötig, um dir etwas leisten zu können.
  • Keine Studiengebühren, keine Schulden. Deine Ausbildung kostet dich nichts – im Gegenteil, du wirst dafür bezahlt.
  • Vergünstigungen und Förderungen. Von ermäßigten Öffi-Tickets über Prämien für gute Prüfungsergebnisse bis zu Unterstützung bei der Vorbereitung auf die Lehrabschlussprüfung ist je nach Betrieb einiges drin.

Gute Lehrbetriebe investieren obendrein in dich: moderne Ausstattung, Weiterbildungen und echte Perspektiven bis hin zum Meistertitel oder zur Selbstständigkeit. Dieser Wert taucht auf keiner Lohnabrechnung auf – ist aber Gold wert. Ein Betrieb, der dich fördert, bringt dir langfristig mehr als ein paar Euro mehr im ersten Lehrjahr.

So findest du heraus, was genau DU verdienen wirst

Genug allgemeines Gerede – wie kommst du an deine Zahl? Ganz konkret:

  • Frag im Betrieb nach. Spätestens im Bewerbungsgespräch darfst und sollst du das Thema Einkommen ansprechen. Das wirkt nicht frech, sondern interessiert und vorbereitet.
  • Schau in den Kollektivvertrag deiner Branche. Die Arbeiterkammer und die Wirtschaftskammer veröffentlichen die aktuellen Beträge pro Lehrberuf und Lehrjahr – meist frei zugänglich im Netz.
  • Nutz einen Lehrlingsrechner. Online-Tools zeigen dir mit wenigen Klicks, was in deinem Wunschberuf üblich ist, und rechnen dir sogar grob das Netto aus.

Und wenn du schon weißt, in welche Richtung es gehen soll: Wirf einen Blick auf die aktuell offenen Lehrstellen und vergleiche direkt, was die Betriebe in deiner Region bieten. So siehst du auf einen Schlag, welcher Beruf, welcher Standort und welches Umfeld am besten zu dir passen.

Häufige Fragen zum Lehrlingseinkommen

Bekomme ich auch während der Berufsschule mein Lehrlingseinkommen?

Ja. Die Zeit in der Berufsschule zählt als Arbeitszeit – dein Einkommen läuft ganz normal weiter. Bei Blockunterricht mit Internat werden die Kosten dafür in vielen Fällen sogar übernommen oder gefördert. Du musst also keine Angst haben, dass dir in der Schulzeit etwas abgezogen wird.

Muss ich von meinem Lehrlingseinkommen Steuern zahlen?

In aller Regel nicht. Das Lehrlingseinkommen liegt meist unter der Grenze, ab der Lohnsteuer anfällt. Sozialversicherungsbeiträge werden aber abgezogen – dafür bist du kranken-, unfall- und pensionsversichert.

Wie viel Urlaub steht mir als Lehrling zu?

Wie allen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Österreich stehen dir grundsätzlich fünf Wochen bezahlter Urlaub pro Jahr zu. Lernen, arbeiten und Urlaub – das gehört alles dazu.

Was ist mit Überstunden?

Bist du noch keine 18, sind Überstunden für dich grundsätzlich tabu – der Jugendschutz hat Vorrang. Ab 18 sind sie in engem Rahmen möglich und werden dann mit einem Zuschlag extra vergütet.

Fazit: Dein Lehrlingseinkommen ist mehr wert, als du denkst

Die Lehre ist längst kein „Verdienst-ich-eh-nix“-Weg mehr. Du bekommst ein echtes Lehrlingseinkommen, das mit jedem Jahr steigt, dazu Urlaubs- und Weihnachtsgeld, volle Sozialversicherung und eine Ausbildung, die dich keinen Cent kostet. Rechnet man die versteckten Vorteile dazu, steht die Lehre finanziell erstaunlich gut da – oft besser als so mancher schulische Weg, bei dem du erst Jahre später ins Verdienen kommst. Der wichtigste Schritt ist jetzt, den Beruf zu finden, der wirklich zu dir passt – das Geld kommt dann von ganz allein. Neugierig geworden? Dann schau dir an, welche Lehrberufe zu dir passen und starte durch bei SKILL UP!