Lehrstelle suchen: Wo du in Österreich wirklich offene Lehrstellen findest
Du tippst „Lehrstelle“ in die Suche und bekommst zwanzig Portale, drei Werbeanzeigen und das Gefühl, dass du gerade nichts weitergebracht hast. Kennen wir. Das Problem beim Lehrstelle suchen in Österreich ist nämlich nicht, dass es zu wenige Angebote gibt — sondern dass sie auf zu vielen Stellen verstreut liegen und jede davon etwas anderes kann. Hier bekommst du die Anlaufstellen sortiert: was jede wirklich leistet, wo ihre Grenze liegt, und in welcher Reihenfolge du sie sinnvoll abarbeitest.
Bevor du suchst: Klär zuerst, was du eigentlich suchst
Klingt banal, spart dir aber Wochen. Drei Dinge solltest du vorher grob wissen:
- Welche Richtung? Nicht der exakte Beruf, aber die Sparte — Technik, Handwerk, Handel, Büro, Gesundheit. Wenn du dir da unsicher bist, hilft ein Blick auf die Lehrberufe im Überblick mehr als jede Stellensuche.
- Wie weit willst du fahren? Zeichne dir gedanklich einen Radius. Alles darüber hinaus kannst du dir beim Suchen sparen — täglich 40 Minuten Anfahrt hält man drei Jahre lang nur mit sehr guten Gründen durch.
- Ab wann? Die meisten Lehrverhältnisse starten im Spätsommer, aber längst nicht alle. Unterjährige Einstiege gibt es öfter, als man glaubt.
Mit diesen drei Antworten wird aus „irgendwas mit Lehre“ eine Suche, die tatsächlich Treffer liefert.
1. SKILL UP!: die Betriebe aus deiner Region — mit Gesicht dahinter
Fang dort an, wo die Betriebe sitzen, bei denen du realistisch anfangen wirst: in deiner Region. Bei SKILL UP! findest du derzeit über 90 Lehrbetriebe aus dem Mostviertel — vom Industriebetrieb mit eigener Lehrwerkstätte bis zum Handwerksbetrieb mit acht Leuten.
Was das kann: Du siehst nicht nur ein Inserat, sondern den Betrieb dahinter — welche Lehrberufe er ausbildet, wo er sitzt, wer dort ansprechbar ist. Dazu kommen die Karriere-Veranstaltungen, bei denen du die Leute persönlich triffst, statt ihnen eine Mail zu schicken, die in einem Postfach untergeht.
Wo die Grenze liegt: Der Fokus ist regional. Wenn du unbedingt nach Wien oder Vorarlberg willst, bist du hier falsch — dann sind die österreichweiten Börsen weiter unten dein Werkzeug.
Konkret: offene Lehrstellen ansehen und parallel dazu die Lehrbetriebe durchklicken. Der zweite Weg wird oft übersehen und ist der bessere — denn nicht jeder Betrieb, der ausbildet, hat gerade ein Inserat online.
Ein Tipp am Rande: Notier dir bei jedem Betrieb, der dich interessiert, gleich eine konkrete Frage, die du beim ersten Kontakt stellen willst. Das zwingt dich, kurz auf die Website zu schauen — und genau daran erkennen Betriebe später, wer sich wirklich für sie interessiert und wer zwanzig gleiche Mails verschickt hat.
2. Die AMS/WKO-Lehrstellenbörse: die große Sammelstelle
Die gemeinsame Lehrstellenbörse von AMS und Wirtschaftskammer ist die größte offizielle Sammlung offener Lehrstellen in Österreich. Du siehst dort je Angebot den Lehrberuf, den Betrieb, den Ort, den geplanten Beginn und häufig auch das Lehrlingseinkommen.
Was das kann: Vollständigkeit und Aktualität, weil Betriebe ihre offenen Lehrstellen dort melden. Für die Frage „was gibt es überhaupt im Bezirk X“ ist sie unschlagbar.
Wo die Grenze liegt: Es ist eine Datenbank, kein Betriebsporträt. Du bekommst Eckdaten, aber kein Gefühl dafür, wie dort gearbeitet wird und ob der Betrieb gut ausbildet. Genau diesen Teil musst du dir anderswo holen — bei uns, bei Bekannten oder beim Schnuppern.
3. Die WKO-Lehrbetriebsübersicht: wer überhaupt ausbilden darf
Diese Datenbank ist der am meisten unterschätzte Suchweg. Sie listet über 30.000 Lehrbetriebe in ganz Österreich, filterbar nach Bundesland, Bezirk und sogar Gemeinde — und zwar unabhängig davon, ob gerade eine Stelle offen ist.
Was das kann: Du findest damit Betriebe, die kein Inserat geschaltet haben. Und das ist ein echter Vorteil, denn ein großer Teil der Lehrstellen wird nie öffentlich ausgeschrieben — die werden vergeben, weil jemand angefragt hat.
Wo die Grenze liegt: Es ist ein Verzeichnis, keine Stellenbörse. Ob dort jemand aufnimmt, steht nicht dabei — das musst du selbst herausfinden, indem du anrufst. Für die Region rund ums Mostviertel bist du mit unserer Betriebsliste schneller am Ziel, weil dort dabeisteht, wer tatsächlich Lehrlinge sucht.
4. Lehrberuf.info, Lehrlingsportal.at und regionale Portale
Daneben gibt es eine Reihe privat betriebener Portale, die Berufsinformation und Lehrstellenbörse kombinieren — etwa Lehrberuf.info und Lehrlingsportal.at, dazu regionale Angebote wie jobviertel.at. Auf whatchado wiederum siehst du Videos, in denen Menschen ihren Berufsalltag erzählen.
Was das kann: Gute Berufsbeschreibungen, oft anschaulicher als amtliche Texte. Die Videos auf whatchado sind ein netter Reality-Check, bevor du dich für eine Richtung entscheidest.
Wo die Grenze liegt: Die Zahl der tatsächlich offenen Stellen schwankt stark, und je nach Region ist die Abdeckung dünn — ein Betrieb muss dort aktiv inserieren, sonst taucht er nicht auf. Nutz diese Seiten deshalb eher zum Stöbern und Orientieren als zum Finden. Für die konkrete Bewerbung in deiner Nähe bist du mit einer regionalen Liste besser bedient.
5. Der Weg, den fast alle unterschätzen: einfach direkt fragen
Der wirksamste Suchweg steht in keinem Portal. Er lautet: Du gehst hin oder rufst an und fragst, ob sie einen Lehrling nehmen.
Das klingt unangenehm und ist es die ersten zwei Male auch. Danach nicht mehr. Für viele Betriebe ist eine solche Anfrage das beste Bewerbungssignal überhaupt, weil sie zeigt, dass du dich selbst kümmerst. Ein Satz reicht: „Guten Tag, ich bin Lisa, ich interessiere mich für eine Lehre als Metalltechnikerin — nehmen Sie im Herbst jemanden auf?“
Kombinier das mit dem, was du ohnehin schon hast: Verwandte, Nachbarn, der Betrieb, in dem dein Vater Kundendienst machen lässt. Ein erstaunlich großer Teil der Lehrstellen wird so vergeben — nicht wegen Vitamin B, sondern weil jemand zufällig zur richtigen Zeit gefragt hat.
Zwei Dinge machen den Unterschied, ob so eine Anfrage etwas bringt. Erstens: Ruf nicht Montag um acht an, wenn im Betrieb der Wochenstart läuft — späterer Vormittag oder früher Nachmittag ist deutlich besser. Zweitens: Frag nach einem Schnuppertag, nicht sofort nach der Lehrstelle. Das ist die kleinere Bitte, sie wird viel öfter zugesagt, und sie bringt dich physisch in den Betrieb. Wer dort einmal drei Tage gearbeitet hat, ist bei der Vergabe kein Name auf Papier mehr.
6. Die Reihenfolge, die tatsächlich funktioniert
Nicht alles gleichzeitig. In dieser Abfolge kommst du am schnellsten weiter:
- Schritt 1 — Region zuerst. Schau bei SKILL UP! nach Betrieben und offenen Stellen in deiner Nähe. Notier dir fünf, die dich interessieren.
- Schritt 2 — Betriebe prüfen. Website ansehen, Bewertungen lesen, Leute fragen, die dort arbeiten.
- Schritt 3 — Schnuppertage vereinbaren. Bei mindestens zwei verschiedenen Betrieben, am besten in zwei Berufen.
- Schritt 4 — Radius erweitern. Erst jetzt die österreichweiten Börsen dazunehmen, falls regional nichts Passendes dabei war.
- Schritt 5 — Direkt anfragen. Parallel zu allem anderen, laufend. Kostet nichts und bringt am meisten.
Wie du die Bewerbung danach aufsetzt und welche Fehler du dir sparen kannst, steht in unserem Beitrag darüber, wie du offene Lehrstellen findest und clever vorgehst.
Häufige Fragen zum Lehrstelle suchen in Österreich
Wann soll ich mit der Suche anfangen?
Ein Jahr vor dem geplanten Start ist ideal, ein halbes reicht auch noch. Größere Betriebe mit fixen Aufnahmeverfahren vergeben früh, kleine oft kurzfristig. Wenn du spät dran bist: nicht aufgeben, sondern direkt anfragen — es springen regelmäßig Leute ab und dann werden Plätze wieder frei.
Was, wenn es in meiner Nähe nichts in meinem Wunschberuf gibt?
Dann hast du drei Möglichkeiten: den Radius erweitern, einen verwandten Beruf ansehen, oder ein Jahr später nochmal. Bevor du dich aber auf einen Beruf fixierst, den es regional nicht gibt, schau dir an, welche verwandten Lehrberufe ähnliche Tätigkeiten haben — oft ist die Schnittmenge größer als gedacht.
Brauche ich für die Suche unbedingt das AMS?
Nein, du kannst dich völlig eigenständig bewerben. Das AMS ist eine zusätzliche Möglichkeit, kein Pflichtweg — und die Lehrstellenbörse kannst du ohne Anmeldung durchsuchen.
Wie viele Bewerbungen soll ich schreiben?
Lieber fünf gute als dreißig kopierte. Betriebe merken sofort, ob du ihre Website gelesen hast oder ob dein Anschreiben auch an eine Bäckerei hätte gehen können. Fünf ernstgemeinte Bewerbungen plus zwei Schnuppertage schlagen jede Massenaussendung.
Was mache ich, wenn ich nur Absagen bekomme?
Frag nach dem Grund — höflich, in einer kurzen Mail. Viele Betriebe antworten, und die Antwort ist oft brauchbarer als jeder Bewerbungsratgeber. Und dann: Schnuppertage statt Bewerbungen. Wer dich drei Tage arbeiten gesehen hat, entscheidet nicht mehr nach dem Zeugnis.
Fazit: Erst regional, dann österreichweit — und immer direkt fragen
Beim Lehrstelle suchen in Österreich gibt es nicht die eine richtige Adresse, sondern eine sinnvolle Reihenfolge. Die österreichweiten Börsen von AMS und Wirtschaftskammer zeigen dir die Breite, die Lehrbetriebsübersicht zeigt dir, wer überhaupt ausbilden darf, die privaten Portale helfen beim Orientieren. Alle haben ihren Platz — nur beantworten sie die entscheidende Frage nicht: Wie ist es dort wirklich?
Deshalb fang bei dir in der Region an. Bei SKILL UP! stehen über 90 Lehrbetriebe aus dem Mostviertel mit ihren Lehrberufen und ihren Ansprechpartnern — und bei den Karriere-Veranstaltungen triffst du sie persönlich, bevor du auch nur eine Bewerbung geschrieben hast. Das ist der kürzeste Weg von „irgendwas mit Lehre“ zu einem Betrieb, in dem du dich am Montag darauf freust hinzugehen. Sieh dir die offenen Lehrstellen an und leg los.