Lehre abbrechen oder den Betrieb wechseln: Was du wissen musst, bevor du hinschmeißt

Du stehst in der Früh auf und hast null Lust auf die Arbeit? Du überlegst, deine Lehre abzubrechen, und traust dich nicht, es jemandem zu sagen? Dann atme einmal durch: Du bist nicht allein, und nicht jeder Frust heißt, dass die Lehre falsch war. Manchmal passt nur der Betrieb nicht, manchmal der Beruf, manchmal ist es einfach ein mieser Monat. Dieser Beitrag hilft dir, das auseinanderzuklauben, bevor du eine Entscheidung triffst, die du nicht mehr zurückholen kannst.

Erst mal sortieren: Was nervt dich eigentlich genau?

Bevor du irgendetwas kündigst oder unterschreibst, schreib dir auf, was dich stört. Und zwar ehrlich, nicht im Affekt. Ist es der Chef, der dich anschreit? Die Kollegen, die dich nur den Boden kehren lassen? Die Arbeitszeiten? Oder merkst du einfach, dass dich der Beruf selbst nicht interessiert?

Die Antwort entscheidet alles. Wenn es am Betrieb liegt, brauchst du meistens nur einen anderen Betrieb, nicht eine neue Karriere. Wenn es am Beruf liegt, musst du dir einen anderen Lehrberuf suchen. Und wenn es nur an einer schlechten Phase liegt, hilft oft schon ein Gespräch mit deinem Ausbilder oder deiner Ausbilderin. Teste die drei Fälle am besten mit einer einfachen Frage: Würde ich denselben Beruf in einem netteren Betrieb machen wollen? Sagst du Ja, ist der Betrieb das Problem. Sagst du Nein, ist es der Beruf.

Sprich den Frust möglichst früh an. Sag deinem Ausbilder oder deiner Ausbilderin in ruhigem Ton, was dich belastet, und nenne konkrete Beispiele statt „Alles ist schlecht“. Viele Betriebe reagieren überrascht und ändern etwas, weil sie nicht gemerkt haben, dass du dich übergangen fühlst. Wenn du dich allein nicht traust, nimm jemanden mit, zum Beispiel deine Eltern oder einen Lehrlingsbeauftragten. Bringt das Gespräch nichts, hast du wenigstens Klarheit, und der nächste Schritt fällt dir leichter.

Abbrechen oder wechseln: Der Unterschied ist riesig

Wer seine Lehre abbricht, steht danach ohne Ausbildung da und muss von vorn anfangen. Wer den Betrieb wechselt, macht dieselbe Lehre woanders weiter. Und wer den Lehrberuf wechselt, startet in einem neuen Beruf, kann sich aber oft schon absolvierte Zeiten anrechnen lassen, wenn die Berufe verwandt sind. Ob und wie viel angerechnet wird, entscheidet die Lehrlingsstelle der Wirtschaftskammer im Einzelfall.

Das Wichtigste daran: Eine Lehre abzubrechen ist keine Schande, aber „hinschmeißen und schauen, was passiert“ ist selten ein guter Plan. Ein Lehrabschluss öffnet dir Türen, auch wenn du später in einer ganz anderen Richtung arbeiten willst. Wenn du also nur raus aus deinem Betrieb willst, such zuerst einen neuen und kündige erst, wenn der Wechsel steht.

Die ersten drei Monate: Deine Probezeit gibt dir Luft

Gute Nachricht für alle, die erst kurz dabei sind: In den ersten drei Monaten kann das Lehrverhältnis von beiden Seiten jederzeit aufgelöst werden, ohne dass du einen Grund nennen musst. Das gilt für dich genauso wie für den Betrieb. Diese Zeit ist dafür da, dass beide Seiten merken, ob es passt.

Nutze sie ernsthaft. Wenn du in der Probezeit merkst, dass es nicht passt, ist das der günstigste Zeitpunkt für einen Wechsel, weil du noch nicht viel Zeit verloren hast. Ein Schnuppertag vor dem Start hilft übrigens, genau dieses Risiko zu verkleinern. Warum, steht in unserem Beitrag über den Schnuppertag vor der Lehre.

Nach der Probezeit: So kommst du aus dem Lehrvertrag

Ab dem vierten Monat kannst du nicht mehr einfach so gehen. Das Lehrverhältnis endet dann zum Beispiel durch eine einvernehmliche Auflösung, also wenn du und dein Lehrbetrieb euch einigt. Die muss schriftlich passieren. Bist du noch nicht 18, brauchst du zusätzlich die Zustimmung deiner Eltern oder gesetzlichen Vertretung, und eine Beratung bei der Lehrlingsstelle oder der Arbeiterkammer gehört dazu.

Daneben gibt es noch die Möglichkeit, aus wichtigen Gründen vorzeitig auszutreten, zum Beispiel wenn der Betrieb dich nicht ausbildet, wie es im Vertrag steht, oder wenn Gesundheit oder Sicherheit auf dem Spiel stehen. Das sind aber Ausnahmen, und die Details hängen vom Einzelfall ab. Wir sind keine Rechtsberatung. Hol dir deshalb Rat bei der Lehrlingsstelle der Wirtschaftskammer oder bei der Arbeiterkammer, bevor du etwas unterschreibst. Das ist kostenlos und gibt dir Sicherheit.

Wenn es am Betrieb liegt: Wechseln statt hinschmeißen

Viele Lehrlinge sind eigentlich in einem guten Beruf, aber in einem schlechten Betrieb gelandet. Das kommt vor: Der Chef hat keine Zeit zum Ausbilden, du machst nur Hilfsarbeiten, oder die Stimmung im Team ist einfach vergiftet. In so einem Fall musst du nicht deine ganze Ausbildung wegwerfen.

Such dir einen neuen Lehrbetrieb im selben Lehrberuf, und besprich mit ihm, wie ein Wechsel ablaufen könnte. Die Lehrzeit, die du schon hinter dir hast, wird im selben Beruf in der Regel angerechnet. Im Mostviertel suchen viele Betriebe gerade Nachwuchs, wir haben das hier erklärt: Warum Betriebe im Mostviertel händeringend Lehrlinge suchen. Das heißt für dich: Deine Chancen auf einen Wechsel stehen oft besser, als du denkst.

Wer sucht, findet Betriebe unter Lehrbetriebe und aktuelle Stellen unter offene Lehrstellen. Schau dir ein paar an, melde dich, schnupper. Ein Gespräch kostet dich nichts.

Beim Vorstellungsgespräch im neuen Betrieb musst du dich nicht verstecken. Erkläre kurz und sachlich, warum du wechseln willst, ohne über den alten Chef zu schimpfen. Das wirkt reif und kommt gut an. Bring dein Berufsschulzeugnis mit und sag, was du schon kannst. Betriebe freuen sich über Lehrlinge, die schon Erfahrung haben und genau wissen, was sie wollen.

Mach dir außerdem klar, was du nicht verlieren willst. Dein Berufsschulbesuch läuft weiter, deine bisherigen Zeugnisse bleiben gültig, und was du gelernt hast, nimmst du in jeden neuen Betrieb mit. Das Wissen ist nicht weg, nur weil der Chef nicht passt. Genau deshalb lohnt es sich, den Wechsel in Ruhe vorzubereiten, statt im ersten Zorn alle Brücken abzubrechen.

Wenn es am Beruf liegt: Neuer Lehrberuf, neuer Start

Manchmal merkst du erst mitten in der Lehre, dass der Beruf nichts für dich ist. Auch das ist okay. Der Wechsel in einen anderen Lehrberuf ist möglich, und bei verwandten Berufen wird dir ein Teil der Zeit vielleicht angerechnet. Ein Elektriker, der lieber mit Maschinen arbeitet, kann zum Beispiel in Richtung Mechatronik schauen. Wer merkt, dass er lieber mit Menschen arbeitet, überlegt vielleicht Handel oder Gesundheit.

Damit du dieses Mal richtig wählst, schau dir die Lehrberufe in Ruhe an und schnupper vorher. Eine zweite Wahl ohne Probetag ist riskant, eine mit Probetag ziemlich sicher.

Dein Plan in vier Schritten

  • Schritt 1: Schreib auf, was genau nervt, und ob es am Betrieb, am Beruf oder an einer Phase liegt.
  • Schritt 2: Sprich mit jemandem, dem du vertraust: Eltern, Lehrlingsbeauftragte, Berufsschullehrer oder die Arbeiterkammer.
  • Schritt 3: Such einen Plan B, bevor du kündigst: neuer Betrieb, neuer Beruf, Schnuppertag.
  • Schritt 4: Löse das Lehrverhältnis schriftlich und mit Beratung auf, nicht per Zuruf oder Chat.

Dieser Ablauf klingt nach Aufwand, schützt dich aber vor dem häufigsten Fehler: im Frust kündigen und dann ohne Lehrstelle dastehen.

Und noch etwas: Sprich offen mit deinen Eltern oder Menschen, die dir nahestehen. Du musst die Entscheidung nicht allein tragen. Oft sehen andere ein Problem klarer, weil sie nicht mittendrin stecken. Wichtig ist nur, dass am Ende du entscheidest, denn es ist deine Ausbildung und deine Zukunft.

Häufige Fragen zum Thema Lehre abbrechen

Darf ich meine Lehre einfach abbrechen?

In den ersten drei Monaten ja, ohne Angabe von Gründen. Danach brauchst du eine einvernehmliche Auflösung oder einen wichtigen Grund. Lass dich vorher bei der Lehrlingsstelle oder der Arbeiterkammer beraten.

Was passiert mit meiner bisherigen Lehrzeit?

Wechselst du in denselben Lehrberuf, wird deine bisherige Lehrzeit in der Regel angerechnet. Bei einem anderen Beruf kommt es darauf an, wie verwandt die beiden sind.

Bekomme ich noch Lehrlingsentschädigung, wenn ich aufhöre?

Bis zum Ende des Lehrverhältnisses steht dir die vereinbarte Lehrlingsentschädigung zu. Was danach passiert, hängt davon ab, ob du gleich eine neue Stelle hast. Wie viel dir netto bleibt, haben wir hier aufgeschlüsselt: Lehrlingsentschädigung netto.

Was, wenn ich keinen neuen Betrieb finde?

Dann ist es klug, erst zu kündigen, wenn ein Plan B steht. Wenn trotzdem etwas dazwischenkommt, helfen dir das AMS und die Lehrlingsstelle weiter, auch mit Angeboten wie der überbetrieblichen Lehrausbildung.

Fazit: Nicht hinschmeißen, sondern klug entscheiden

Eine Lehre abzubrechen ist keine Katastrophe, aber ein Wechsel ist oft die bessere Antwort. Finde heraus, ob dich Betrieb, Beruf oder eine schwache Phase stört, nutze die ersten drei Monate, wenn du noch drin bist, und such dir vor dem Aufhören einen Plan B. Auf SKILL UP! findest du alle Lehrberufe, die Lehrbetriebe und die offenen Lehrstellen im Mostviertel. Schau rein, schnupper, und frag nach. Wer fragt, kommt weiter. Ehrlich.