Lehrberufe für Mädchen: Warum Technik, Handwerk und Kreatives gleich gut zu dir passen können
Friseurin, Bürokauffrau, Einzelhandel, und dann? Wenn du nach Lehrberufen für Mädchen suchst, landest du ziemlich schnell bei derselben kurzen Liste, die schon deine Mama und deine Tante kennen. Das ist völlig in Ordnung, wenn dich genau das reizt. Aber die Auswahl ist viel größer, als die meisten Listen dir zeigen. In Österreich gibt es rund 200 Lehrberufe, und kein einziger davon ist für Burschen reserviert. Hier erfährst du, warum Technik, Handwerk und Kreatives genauso gut zu dir passen können, wie du herausfindest, was dir wirklich liegt, und wie du im Mostviertel einen Betrieb findest, der dich ernst nimmt.
Gibt es überhaupt typische Lehrberufe für Mädchen?
Kurze Antwort: nein. Es gibt Lehrberufe, die viele Mädchen wählen, und es gibt Lehrberufe, die wenige Mädchen wählen. Das ist ein Unterschied. Rein rechtlich und fachlich steht dir jede Lehre offen, von der Metalltechnik über die Elektrotechnik bis zur Konditorei. Die Ausbildungsordnung ist für alle gleich, die Berufsschule ist für alle gleich, und die Lehrabschlussprüfung auch.
Was es sehr wohl gibt, sind Gewohnheiten. Wenn in deiner Klasse alle Mädchen über Handel, Büro und Friseursalon reden, wirkt alles andere schnell wie ein Exotenweg. Ist es aber nicht. Es ist nur ein Weg, den bisher weniger gegangen sind. Und genau das kann ein Vorteil sein, dazu gleich mehr.
Einen Überblick, welche Ausbildungen es überhaupt gibt und was dahintersteckt, findest du bei unseren Lehrberufen. Schau dir die Liste ruhig einmal an, ohne vorher im Kopf auszusortieren, was angeblich nichts für dich ist.
Warum so viele Mädchen in denselben drei Berufen landen
Laut der Lehrlingsstatistik der Wirtschaftskammer liegen bei den Mädchen seit Jahren dieselben Berufe ganz vorne: Einzelhandel, Bürokauffrau und Friseurin. Ein großer Teil aller weiblichen Lehrlinge verteilt sich auf diese wenigen Berufe. Bei den Burschen ist die Verteilung deutlich breiter.
Woran liegt das? Sicher nicht daran, dass Mädchen schlechter mit Werkzeug, Maschinen oder Computern umgehen können. Meistens hat es ganz banale Gründe:
- Vorbilder: Du kennst vielleicht eine Friseurin, aber keine Mechatronikerin. Was du nie gesehen hast, kommt dir schwer in den Sinn.
- Umfeld: Eltern, Freundinnen und manchmal auch Lehrkräfte schlagen das vor, was sie selbst kennen.
- Unsicherheit: Die Frage „Bin ich dort dann die Einzige?“ hält viele ab, bevor sie überhaupt schnuppern.
- Fehlende Infos: Unter „Kunststofftechnik“ oder „Applikationsentwicklung“ kann sich mit 14 oder 15 kaum jemand etwas vorstellen.
Keiner dieser Gründe hat etwas mit deinem Talent zu tun. Und alle lassen sich ändern, am besten, indem du dir Berufe selbst anschaust, statt dich auf Vermutungen zu verlassen.
Technische Lehrberufe für Mädchen: mehr als Schrauben und Öl
Viele denken bei Technik an schmutzige Hände und laute Hallen. Das gibt es, klar. Aber ein großer Teil der technischen Arbeit heute passiert an Steuerungen, Bildschirmen und Messgeräten. Du programmierst Anlagen, suchst Fehler, prüfst Bauteile auf den Hundertstelmillimeter genau oder sorgst dafür, dass eine Produktionslinie läuft.
Ein paar Beispiele, die im Mostviertel gefragt sind:
- Mechatronikerin: Mechanik, Elektronik und Software in einem. Du hältst automatisierte Anlagen am Laufen und findest heraus, warum eine Maschine gerade streikt.
- Elektrotechnikerin: Von der Hausinstallation bis zur Industrieanlage. Logisches Denken ist hier wichtiger als Muskelkraft.
- Metalltechnikerin: Du fertigst Teile an CNC-Maschinen, schweißt, misst und montierst. Präzision ist dein Job.
- Kunststofftechnikerin: Du betreust Spritzguss- und Extrusionsanlagen und lernst viel über Werkstoffe.
- KFZ-Technikerin: Moderne Autos sind rollende Computer. Diagnose am Laptop gehört genauso dazu wie der Schraubenschlüssel.
Wenn du wissen willst, wie der Alltag in diesen Berufen konkret aussieht, lies dir unseren Beitrag zu technischen Lehrberufen durch.
Noch ein Punkt, über den selten jemand redet: In technischen Branchen sind die Lehrlingsentschädigungen laut Kollektivvertrag oft höher als in manchen klassischen Mädchenberufen. Das hängt von der Branche ab, nicht von dir als Person. Wie das genau funktioniert, steht in unserem Beitrag zur Lehrlingsentschädigung nach Kollektivvertrag.
Handwerk: wenn du am Abend siehst, was du gemacht hast
Handwerk hat einen riesigen Vorteil: Du siehst sofort, was du geschafft hast. Ein fertiger Tisch, eine frisch gestrichene Wand, eine Torte, die bei der Hochzeit alle fotografieren. Das fühlt sich anders an als eine abgeschickte E-Mail.
Lehrberufe, in denen Mädchen noch selten sind, die aber genau das bieten:
- Tischlerin: Planen, zuschneiden, fräsen, zusammensetzen. Viel davon passiert heute auch am Computer und an CNC-Maschinen.
- Malerin und Beschichtungstechnikerin: Farbe, Oberflächen, Technik und ein gutes Auge für Details.
- Installations- und Gebäudetechnikerin: Heizung, Lüftung, Sanitär. Ein Beruf, in dem Fachkräfte überall gesucht werden.
- Konditorin: Handwerk mit viel Gefühl für Optik und Geschmack.
Und ja, manche Handwerksberufe sind körperlich anstrengend. Das gilt aber für alle, die sie lernen. Mit der richtigen Technik, passendem Werkzeug und Hebehilfen ist vieles leichter, als es von außen aussieht. Wenn du unsicher bist, frag beim Schnuppern direkt nach, wie schwer im Alltag wirklich gehoben wird.
Kreativ, digital, am Menschen: die Mischung macht’s
Nicht jede Lehre lässt sich sauber in Technik oder Handwerk einordnen. Viele spannende Berufe liegen genau dazwischen. Wenn du gern gestaltest, aber auch gern tüftelst, schau dir zum Beispiel diese an:
- Applikationsentwicklerin – Coding: Du schreibst Programme und Apps. Kreativität und Logik in einem Beruf.
- Medienfachfrau: Grafik, Webseiten, Social Media und Marketing.
- Goldschmiedin: feinste Handarbeit mit Metall, Steinen und Design.
- Augenoptikerin oder Friseurin: Handwerk direkt am Menschen, mit viel Beratung.
Du siehst: Auch die klassischen Berufe haben ihren Platz. Es geht nicht darum, dass du unbedingt in die Technik musst. Es geht darum, dass du aus der ganzen Auswahl wählst und nicht nur aus drei Berufen.
So findest du heraus, welcher Beruf zu dir passt
Die beste Frage ist nicht „Was machen Mädchen normalerweise?“, sondern „Was mache ich gern?“. Ein paar Fragen, die dir weiterhelfen:
- Arbeitest du lieber mit den Händen, mit dem Kopf oder mit Menschen?
- Bist du gern draußen, in einer Werkstatt oder lieber am Schreibtisch?
- Was machst du in deiner Freizeit, ohne dass dich jemand dazu zwingt? Basteln, zeichnen, zocken, reparieren, backen?
- Welche Fächer in der Schule fallen dir leicht, und welche machen dir Spaß, auch wenn sie nicht leicht sind?
Danach kommt der wichtigste Schritt: ausprobieren. Ein Schnuppertag sagt dir mehr als jede Broschüre, warum, liest du in unserem Beitrag zum Schnuppertag vor der Lehre. Viele Betriebe machen auch beim Girls‘ Day mit, an dem Mädchen gezielt in technische Berufe hineinschauen können. Und wenn du später noch weiter willst: Mit der Lehre mit Matura bleibt dir auch der Weg an eine FH oder Uni offen.
Und wenn ich dann die Einzige bin?
Das ist die Frage, die am häufigsten kommt, und sie ist berechtigt. In manchen Werkstätten bist du vielleicht tatsächlich das erste oder einzige Mädchen. Das kann sich am Anfang komisch anfühlen. Viele, die diesen Weg gegangen sind, erzählen aber, dass sich das nach den ersten Wochen legt. Am Ende zählt, ob du deinen Job kannst.
Ein paar Tipps, damit du gut startest:
- Frag beim Schnuppern nach: Gibt es schon andere Mädchen in der Lehre? Wie sieht es mit Umkleide und Sanitärräumen aus?
- Achte auf den Ton: Einen guten Lehrbetrieb erkennst du daran, wie mit allen Lehrlingen umgegangen wird, nicht nur mit dir.
- Hol dir Verbündete: Deine Ausbilderin oder dein Ausbilder, die Berufsschule und die Lehrlingsstelle sind für dich da, wenn etwas nicht passt.
Übrigens: Wer in einem Beruf mit wenigen Frauen gut ist, fällt positiv auf. Viele Betriebe suchen gezielt nach Mädchen, weil sie wissen, dass gemischte Teams besser funktionieren. Aktuelle Ausbildungsplätze in der Region findest du bei den offenen Lehrstellen.
Für Betriebe: So holt ihr mehr Mädchen in die Lehre
Falls du diesen Beitrag als Ausbilderin oder Ausbilder liest: Mädchen für technische und handwerkliche Lehrberufe zu gewinnen, ist kein Zufall. Was hilft, ist meistens ziemlich einfach. Zeigt in euren Stelleninseraten auch weibliche Lehrlinge und Fachkräfte. Ladet gezielt zum Schnuppern ein. Sorgt für passende Umkleiden. Und gebt Mädchen, die bei euch anfangen, eine fixe Ansprechperson.
Wie ihr euren Betrieb als Lehrbetrieb sichtbar macht und Lehrlinge aus dem Mostviertel erreicht, erfahrt ihr bei den Lehrbetrieben von SKILL UP!.
Häufige Fragen zu Lehrberufen für Mädchen
Welche Lehrberufe sind für Mädchen geeignet?
Alle. Es gibt keinen Lehrberuf, der nur für Burschen gedacht ist. Entscheidend sind deine Interessen und Stärken, nicht dein Geschlecht.
Welche Lehrberufe wählen Mädchen am häufigsten?
In Österreich sind das seit Jahren Einzelhandel, Bürokauffrau und Friseurin. Das sagt aber nur, was oft gewählt wird, nicht, was am besten zu dir passt.
Ist eine technische Lehre für Mädchen schwerer?
Nein. Die Anforderungen sind für alle gleich. Viele technische Berufe brauchen vor allem logisches Denken, Genauigkeit und Interesse an Technik.
Bekomme ich als Mädchen weniger Lehrlingsentschädigung?
Nein. Die Lehrlingsentschädigung richtet sich nach dem Kollektivvertrag deines Lehrbetriebs und nach dem Lehrjahr, nicht nach deinem Geschlecht.
Wie finde ich einen Lehrbetrieb, der Mädchen in der Technik unterstützt?
Schnuppern, nachfragen und genau hinschauen. Frag, ob schon Mädchen im Betrieb lernen und wer deine Ansprechperson wäre. Offene Stellen in der Region findest du bei SKILL UP!.
Fazit: Wähl aus allen Lehrberufen, nicht nur aus drei
Lehrberufe für Mädchen gibt es genau so viele wie für Burschen, nämlich alle. Ob Mechatronik, Tischlerei, Coding oder Friseursalon: Entscheidend ist, was dir Spaß macht und wo du deine Stärken hast. Lass dich nicht von alten Listen einschränken, schau dir Berufe beim Schnuppern selbst an und such dir einen Betrieb, der dich ernst nimmt. Bei SKILL UP! findest du Lehrberufe, Lehrbetriebe und offene Lehrstellen im Mostviertel an einem Ort. Trau dich.