Handwerksberufe in Österreich: Diese Lehren gibt es — und das machst du darin wirklich

„Irgendwas mit den Händen“ — so fängt das bei ziemlich vielen an. Und dann kommt der Punkt, an dem du merkst: Handwerk ist nicht ein Beruf, sondern ein paar Dutzend. Handwerksberufe in Österreich reichen vom Rohbau über Metall und Holz bis zur Konditorei, und zwischen zwei davon können Welten liegen, auch wenn beide „Handwerk“ heißen. Hier bekommst du die Übersicht sortiert nach Sparten: was es gibt, wie lange die Lehre dauert und wie der Arbeitstag tatsächlich ausschaut. Ohne Hochglanz, ohne Werbesprech.

Handwerksberufe in Österreich: Was dazuzählt — und was nicht

Handwerk heißt: Du stellst etwas her, reparierst etwas oder veränderst etwas mit deinen Händen und mit Werkzeug — Stück für Stück, oft für einen konkreten Auftraggeber. Das unterscheidet es von der industriellen Serienfertigung, wo dasselbe Teil tausendfach vom Band läuft.

In der Praxis ist die Grenze durchlässig. Eine Metalltechnikerin kann in einer Schlosserei mit zwölf Leuten arbeiten oder in einem Werk mit tausend. Der Lehrberuf ist derselbe, der Alltag nicht. Merk dir das für später — es ist der Punkt, an dem die meisten Entscheidungen tatsächlich fallen.

Und noch etwas vorweg: Fast alle Lehren, die hier vorkommen, dauern drei bis vier Jahre. Der Unterschied liegt selten in der Dauer, sondern darin, was du am Ende kannst.

Bau: Hochbau, Tiefbau — und was aus dem Maurer geworden ist

Hier gleich die Info, die dir sonst niemand sagt: Den Lehrberuf „Maurer*in“ gibt es nicht mehr. Die Ausbildung ist mit Ende 2022 ausgelaufen, gelernt wird heute im Lehrberuf Hochbau. Wenn dir also jemand eine Maurerlehre anbietet, ist damit Hochbau gemeint — und du solltest genau das im Lehrvertrag stehen haben.

  • Hochbau — 3 Jahre. Mauerwerk, Beton, Schalungen, Sanierung. Alles, was über der Erde steht. In der verlängerten Form als Hochbauspezialist*in dauert die Lehre 4 Jahre, mit Schwerpunkt Neubau oder Sanierung.
  • Tiefbau — 3 Jahre. Kanäle, Leitungen, Straßen, Fundamente. Alles, was darunter liegt und was niemand sieht, solange es funktioniert.
  • Zimmerei — 3 Jahre. Dachstühle, Holzkonstruktionen, Aufstockungen. Zählt formal zum Bau und praktisch zum Holz — dazu gleich mehr.

Realistisch: Der Bau ist körperlich fordernd, im Winter kalt und im Sommer heiß. Dafür siehst du am Freitag, was du in einer Woche geschafft hast — und das ist bei erstaunlich wenigen Berufen so.

Metall: ein Lehrberuf, viele Module

Metalltechnik ist ein Modullehrberuf. Das heißt: Alle starten mit demselben Grundmodul, danach entscheidest du dich für ein Hauptmodul — etwa Maschinenbautechnik, Fahrzeugbautechnik, Werkzeugbautechnik, Schmiedetechnik oder Metallbau- und Blechtechnik. Die Lehrzeit beträgt 3,5 Jahre, mit einem zusätzlichen Spezialmodul 4 Jahre.

Das Prinzip ist clever: Du musst dich nicht am ersten Tag festlegen. Im Grundmodul lernst du zuerst einmal messen, feilen, bohren, schweißen, Technisches Zeichnen lesen — und erst danach die Richtung.

Was der Alltag bringt: viel Genauigkeit im Zehntelmillimeter-Bereich, moderne CNC-Maschinen, aber auch nach wie vor Handarbeit. Wenn dich Technisches Zeichnen in der Schule nicht abgeschreckt hat, ist Metall eine sehr solide Wahl. Einen genaueren Blick auf einzelne dieser Berufe findest du in unserem Beitrag über handwerkliche Lehrberufe von Werkzeugbau bis Dachdecker.

Holz: Zimmerei am Dach, Tischlerei in der Werkstatt

Holz ist die Sparte, bei der die meisten sofort ein Bild im Kopf haben — und meistens das falsche. Denn Zimmerei und Tischlerei haben ungefähr so viel miteinander zu tun wie Fußball und Handball: gleiches Material, komplett anderer Alltag.

  • Zimmerei — 3 Jahre. Du arbeitest überwiegend draußen und in großen Dimensionen: Dachstühle, Holzriegelwände, Carports, Zubauten. Schwindelfrei zu sein hilft ungemein.
  • Zimmereitechnik — 4 Jahre. Dieselbe Richtung, zusätzlich Planung, Statikgrundlagen und computergestützter Abbund. Für alle, die auch am Bildschirm mitdenken wollen.
  • Tischlerei — 3 Jahre. Werkstatt statt Baustelle: Möbel, Küchen, Türen, Einbauten. Millimeterarbeit, Oberflächen, viel Maschinenarbeit.
  • Tischlereitechnik (Planung oder Produktion) — 4 Jahre. Mit CAD, Fertigungsplanung und Ansteuerung von CNC-Anlagen.

Die ehrliche Entscheidungshilfe: Willst du am Abend nach Hause gehen und ein fertiges Möbelstück angreifen können, oder willst du auf ein Dach steigen und sehen, dass da jetzt eines ist? Beide Antworten sind richtig, aber es sind verschiedene.

Elektro und Gebäudetechnik: die Berufe, die gerade alle suchen

Wenn du irgendwo hörst, dass Betriebe händeringend Leute suchen, ist meistens diese Sparte gemeint. Wärmepumpen, Photovoltaik, Lüftung, Gebäudeautomation — die Nachfrage ist schlicht größer als die Zahl der Fachkräfte.

  • Elektrotechnik — 3,5 bzw. 4 Jahre. Ebenfalls ein Modullehrberuf, mit Hauptmodulen wie Elektro- und Gebäudetechnik, Energietechnik oder Anlagen- und Betriebstechnik.
  • Installations- und Gebäudetechnik — 3 bzw. 4 Jahre. Mit Hauptmodulen für Gas- und Sanitärtechnik, Heizungstechnik oder Lüftungstechnik.

Was dich erwartet: viel Arbeit direkt bei Kundinnen und Kunden, ständig neue Häuser und neue Situationen, wenig Routine. Dazu jede Menge Vorschriften, die man wirklich können muss — bei Strom und Gas gibt es kein „passt schon“. Wer sauber arbeitet und mitdenkt, hat in diesen Berufen praktisch keine Sorgen um einen Arbeitsplatz.

Lebensmittel und Gestaltung: Handwerk, das man schmeckt und sieht

Handwerk ist nicht nur Werkstatt und Baustelle. Ein ganzer Teil davon läuft in Backstuben, Salons und auf Gerüsten mit Farbrolle.

  • Bäckerei — 3 Jahre. Früher Start, dafür meist früher Feierabend. Teige, Gärführung, Ofen, immer öfter auch Sauerteig und regionale Getreidesorten.
  • Konditorei (Zuckerbäckerei) — 3 Jahre. Torten, Patisserie, Schokolade. Sehr gestalterisch, sehr genau, sehr saisonal.
  • Fleischverarbeitung — 3 Jahre. Zerlegen, Wursten, Veredeln, Verkaufen. Ein Beruf mit erstaunlich guten Übernahmechancen, weil viele Betriebe Nachwuchs suchen.
  • Friseur*in (Stylist*in) — 3 Jahre. Schneiden, Farbe, Beratung — und sehr viel Umgang mit Menschen. Wer nicht gerne redet, wird hier nicht glücklich.
  • Maler*in und Beschichtungstechniker*in — 3 Jahre. Anstriche, Putze, Dekortechniken, Fassaden, dazu Korrosionsschutz als eigener Schwerpunkt.

Diese Berufe werden oft unterschätzt, weil sie „weniger technisch“ wirken. Das stimmt nicht. In der Konditorei arbeitest du mit Temperaturkurven, im Malerhandwerk mit Untergründen und Materialchemie — nur merkt man es dem Ergebnis nicht an.

Wie du herausfindest, welcher davon zu dir passt

Eine Liste ist gut. Eine Entscheidung ist besser. Diese vier Fragen bringen dich weiter als jedes Berufsquiz:

  • Drinnen oder draußen? Das ist der größte Unterschied im Alltag und der Punkt, an dem die meisten nach einem halben Jahr merken, dass etwas nicht passt. Zimmerei, Hochbau und Tiefbau sind Wetterberufe. Tischlerei, Konditorei und Metalltechnik sind es nicht.
  • Ein Stück oder tausend? Willst du Unikate anfertigen oder in einer sauber getakteten Produktion arbeiten? Beides ist Handwerk, beides ist gut bezahlt — aber es sind verschiedene Persönlichkeiten.
  • Wie viel Kundenkontakt? In der Gebäudetechnik und im Friseurhandwerk redest du den ganzen Tag mit Menschen. In der Fertigung kannst du auch mal drei Stunden konzentriert allein arbeiten.
  • Schnuppern statt spekulieren. Drei Tage im Betrieb sagen dir mehr als drei Wochen Recherche. Und ja: bei zwei verschiedenen Berufen schnuppern ist keine Unentschlossenheit, sondern schlau.

Wenn du dann konkret wirst, schau dir alle Lehrberufe im Überblick an, sieh nach, welche offenen Lehrstellen es gerade gibt, und wirf einen Blick auf die Lehrbetriebe dahinter. Der Beruf ist die eine Hälfte der Entscheidung, der Betrieb die andere.

Häufige Fragen zu Handwerksberufen in Österreich

Wie lange dauert eine Lehre im Handwerk?

In der Regel drei bis vier Jahre. Klassische Lehrberufe wie Hochbau, Tiefbau, Zimmerei, Tischlerei, Bäckerei oder Friseur*in dauern drei Jahre. Modullehrberufe wie Metalltechnik oder Elektrotechnik dauern 3,5 Jahre, mit einem Spezialmodul vier.

Gibt es den Lehrberuf Maurer noch?

Nein. Die Ausbildung zum Lehrberuf Maurer*in ist mit Ende 2022 ausgelaufen. Ausgebildet wird heute im Lehrberuf Hochbau, der drei Jahre dauert. Umgangssprachlich sagen viele weiterhin „Maurerlehre“ — gemeint ist Hochbau.

Was ist ein Modullehrberuf?

Ein Lehrberuf, der sich aus einem gemeinsamen Grundmodul, einem Hauptmodul deiner Wahl und optional einem Spezialmodul zusammensetzt. Vorteil für dich: Du legst dich nicht am ersten Tag fest, sondern erst, wenn du die Grundlagen kennst. Metalltechnik und Elektrotechnik funktionieren so.

Verdient man im Handwerk gut?

Dein Lehrlingseinkommen steht im Kollektivvertrag der jeweiligen Branche und steigt mit jedem Lehrjahr. Die Beträge sind Mindestsätze — viele Betriebe zahlen mehr, dazu kommen oft Prämien für gute Zeugnisse oder Zuschüsse zum Öffi-Ticket. Frag im Bewerbungsgespräch direkt nach dem geltenden Kollektivvertrag.

Brauche ich einen guten Schulabschluss für einen Handwerksberuf?

Formal brauchst du die Erfüllung der Schulpflicht. Praktisch schauen viele Betriebe weniger auf die Noten in Deutsch und mehr darauf, ob du verlässlich bist, pünktlich kommst und beim Schnuppern mitdenkst. Mathematik und Technisches Werken helfen — aber niemand wird wegen einer Vier abgelehnt.

Fazit: Handwerk ist eine Entscheidung für einen Alltag, nicht für einen Titel

Die Handwerksberufe in Österreich decken eine enorme Bandbreite ab: vom Kanal im Tiefbau über die CNC-Maschine in der Metalltechnik bis zur Torte in der Konditorei. Was sie verbindet, ist, dass am Ende des Tages etwas fertig ist, das vorher nicht da war — und dass du in drei bis vier Jahren einen Abschluss hast, mit dem du überall in Österreich arbeiten kannst.

Such dir deshalb nicht den Beruf mit dem besten Klang aus, sondern den mit dem Alltag, den du dir dreihundert Mal im Jahr vorstellen kannst. Und dann geh schnuppern. SKILL UP! zeigt dir, welche Betriebe in deiner Nähe ausbilden — den Rest findest du dort heraus, wo es zählt: in der Werkstatt.