Spengler-Lehre: Was du in der Spenglerei wirklich machst
Spengler? Viele denken da zuerst an jemanden, der irgendwo eine Dachrinne festschraubt, und dann ist die Sache erledigt. Wer sich die Spengler Lehre genauer anschaut, merkt schnell: Da steckt viel mehr drin. Du arbeitest mit Blech, das du selbst zuschneidest, biegst, lötest und montierst. Du stehst auf Dächern, an Fassaden und in der Werkstätte, und am Ende des Tages siehst du genau, was du geschafft hast. Hier erfährst du, was Spenglerinnen und Spengler den ganzen Tag machen, wie die drei Lehrjahre ablaufen, was dich vom Dachdecker unterscheidet und wie du im Mostviertel, in Niederösterreich oder Oberösterreich zu deiner Lehrstelle kommst.
Was macht man in der Spengler Lehre eigentlich?
Kurz gesagt: Du bringst Blech in Form und sorgst dafür, dass Gebäude dicht bleiben. Spenglerinnen und Spengler fertigen und montieren alles, was an einem Haus aus Metall ist und mit Wasser, Wind und Wetter zu tun hat. Dazu gehören Dachrinnen und Ablaufrohre, Blechdächer, Einfassungen rund um Rauchfang, Dachfenster und Gaupen, Mauerabdeckungen, Attiken und ganze Fassadenverkleidungen.
Ein großer Teil der Arbeit passiert in der Werkstätte. Dort schneidest du Bleche zu, kantest sie auf der Biegemaschine, verbindest Teile durch Falzen, Nieten, Löten oder einfaches Schweißen. Danach geht es auf die Baustelle, wo du deine Teile montierst und anpasst, denn kein Dach ist exakt wie das andere. Laut Berufsbild gehört auch dazu, Befestigungen für Dachfenster, Lichtkuppeln, Solar- und Photovoltaikanlagen herzustellen und zu montieren sowie bestehende Dach- und Wandflächen zu warten und zu reparieren.
Neben der klassischen Bauspenglerei gibt es Betriebe, die sich auf Lüftungstechnik spezialisiert haben. Dort fertigst du Lüftungskanäle und Blechbauteile für Lüftungs- und Klimaanlagen. Welche Richtung du einschlägst, hängt also stark davon ab, in welchem Betrieb du deine Lehre machst. Frag beim Schnuppern ruhig nach, worauf sich die Firma konzentriert.
Ein Tag in der Spenglerei: so schaut’s aus
Damit du dir das besser vorstellen kannst, hier ein typischer Tag. Um sieben triffst du dich mit deinem Team in der Werkstätte. Der Chef oder die Vorarbeiterin bespricht, was heute ansteht: Bei einem Einfamilienhaus wird eine neue Dachrinne montiert, und für einen Zubau müssen die Bleche für die Attika vorbereitet werden.
Zuerst misst du gemeinsam mit deiner Lehrlingsausbildnerin die Teile ab, die gestern auf der Baustelle aufgenommen wurden. Dann geht es an die Maschine: zuschneiden, kanten, die Kanten sauber entgraten. Gegen neun ladet ihr alles auf den Firmenbus und fahrt raus. Auf der Baustelle wird zuerst abgesichert, Gerüst und Absturzsicherung werden geprüft. Erst dann geht es aufs Dach.
Am Nachmittag montierst du die Rinnenhalter, hängst die Rinne ein, lötest die Stöße und schließt das Ablaufrohr an. Zum Schluss wird kontrolliert: Hat die Rinne genug Gefälle? Sitzen alle Verbindungen dicht? Wenn du dann vom Gerüst runtersteigst und dir das Ergebnis anschaust, weißt du ziemlich genau, warum viele Spenglerinnen und Spengler ihren Job mögen. Es ist einfach sichtbar, was du gemacht hast.
Spengler oder Dachdecker: Wo ist der Unterschied?
Die beiden Berufe arbeiten oft am selben Dach, und deshalb werden sie gern verwechselt. Der Unterschied liegt im Material. Dachdeckerinnen und Dachdecker kümmern sich um die Dachhaut aus Ziegeln, Betonsteinen, Schiefer oder Abdichtungsbahnen. Spenglerinnen und Spengler übernehmen alles aus Blech: die Rinnen, die Anschlüsse, die Einfassungen und oft ganze Blechdächer und Fassaden.
In der Praxis greift beides ineinander. Ohne saubere Spenglerarbeit rund um Rauchfang, Dachfenster und Traufe wäre auch das schönste Ziegeldach nicht dicht. Viele Betriebe im Mostviertel bieten deshalb beides an. Wenn dich beide Seiten interessieren, schau dir unseren Beitrag Lehre Dachdecker & Spengler: Was dich am Dach wirklich erwartet an. Dort findest du die Gemeinsamkeiten der beiden Berufe. Hier geht es um die Spenglerei im Detail.
Wie lange dauert die Spengler Lehre und was lernst du wann?
Die Lehrzeit für den Lehrberuf Spenglerin bzw. Spengler beträgt drei Jahre. Die aktuelle Ausbildungsordnung stammt aus dem Jahr 2019 und legt fest, was du im Betrieb lernen musst. Grob gesagt läuft es so ab:
- Erstes Lehrjahr: Du lernst die Grundlagen der Metallbearbeitung. Messen, Anreißen, Schneiden, Biegen, einfache Verbindungen. Du lernst Werkzeuge und Maschinen kennen und erfährst, wie man eine Baustelle sicher einrichtet.
- Zweites Lehrjahr: Jetzt wird es anspruchsvoller. Du fertigst selbstständig Rinnen, Rohre und Einfassungen an, lötest und verbindest verschiedene Metalle und arbeitest auf der Baustelle immer öfter mit.
- Drittes Lehrjahr: Du übernimmst eigene Aufgaben, planst Arbeitsschritte, misst auf der Baustelle auf und montierst komplexere Teile wie Fassadenverkleidungen oder Blechdächer. Am Ende steht die Lehrabschlussprüfung.
Parallel dazu besuchst du die Berufsschule. Dort bekommst du das theoretische Rüstzeug: Fachrechnen, Werkstoffkunde, technisches Zeichnen und Fachkunde. Wie das duale System genau funktioniert, liest du in unserem Beitrag über die Berufsschule in der Lehre.
Passt die Spengler-Lehre zu dir?
Ehrlich gesagt: Nicht jede und jeder wird in diesem Beruf glücklich. Und das ist auch okay. Damit du besser einschätzen kannst, ob es passt, hier die Punkte, auf die es wirklich ankommt:
- Schwindelfreiheit und Trittsicherheit: Ein Teil der Arbeit findet in der Höhe statt, auf Gerüsten und Dächern. Gesichert, aber eben oben.
- Handwerkliches Geschick: Du arbeitest auf den Millimeter. Ein schief gekantetes Blech merkst du spätestens bei der Montage.
- Räumliches Vorstellungsvermögen: Du musst dir vorstellen können, wie aus einer flachen Blechtafel eine Einfassung wird, die exakt um einen Rauchfang passt.
- Freude an der Arbeit draußen: Sommerhitze am Dach und frische Morgen im Herbst gehören dazu. Wer am liebsten immer im Warmen sitzt, wird sich schwertun.
- Teamgeist: Auf der Baustelle arbeitet ihr zu zweit oder zu dritt. Da muss man sich aufeinander verlassen können.
Mathe musst du übrigens nicht lieben. Aber Grundrechnungsarten, Prozent und ein bisschen Geometrie solltest du hinkriegen, denn du rechnest Abwicklungen, Längen und Gefälle. Das lernst du aber auch in der Berufsschule. Und falls du gern noch mehr technische Berufe vergleichen willst, findest du in unserem Beitrag Technische Lehrberufe: Das steckt wirklich dahinter einen guten Überblick.
Was verdienst du in der Spengler-Lehre?
Dein Lehrlingseinkommen ist im Kollektivvertrag geregelt und steigt mit jedem Lehrjahr. Die genaue Höhe hängt davon ab, welcher Kollektivvertrag für deinen Betrieb gilt. Frag beim Vorstellungsgespräch einfach direkt nach, das ist völlig normal und zeigt, dass du dich informiert hast.
Wichtig zu wissen: Brutto ist nicht gleich netto. Was dir am Monatsende wirklich aufs Konto kommt, erklären wir dir im Beitrag Lehrlingsentschädigung netto. Nach der Lehre hast du als ausgebildete Fachkraft eine gute Basis, denn Spenglerinnen und Spengler werden in vielen Regionen gesucht.
Und nach der Lehre? Deine Möglichkeiten
Mit dem Lehrabschluss in der Tasche stehen dir einige Wege offen. Du kannst im Betrieb bleiben und dich zur Vorarbeiterin oder zum Vorarbeiter hocharbeiten. Du kannst dich auf ein Gebiet spezialisieren, etwa auf Fassaden, Blechdächer oder Lüftungstechnik. Oder du machst später die Meisterprüfung und damit den Schritt Richtung eigener Betrieb.
Auch die Lehre mit Matura ist möglich, wenn du dir den Weg zu einer höheren Ausbildung offenhalten willst. Und falls du nach einiger Zeit noch einen weiteren Beruf dazulernen willst, können je nach Lehrberuf Teile der Ausbildung angerechnet werden. Was genau angerechnet wird, klärt die Lehrlingsstelle der Wirtschaftskammer.
So kommst du zu deiner Spengler-Lehrstelle
Der beste erste Schritt ist ein Schnuppertag. Du siehst dort, wie es in der Werkstätte und auf der Baustelle wirklich zugeht, und der Betrieb lernt dich kennen. Warum ein einziger Tag oft mehr bringt als jede Broschüre, liest du in unserem Beitrag über den Schnuppertag vor der Lehre.
Danach geht es an die Bewerbung. Ein kurzes, ehrliches Motivationsschreiben, dein Lebenslauf und dein letztes Zeugnis reichen meistens. Schreib dazu, warum dich die Spenglerei interessiert. Vielleicht hast du schon daheim mitgeholfen, als das Dach gerichtet wurde, oder du bastelst gern mit Metall. Genau solche Details machen dich interessant.
Bei SKILL UP! findest du Betriebe aus dem Mostviertel und der Region, die Lehrlinge ausbilden. Schau dir die Lehrberufe an, entdecke passende Lehrbetriebe in deiner Nähe und check regelmäßig die offenen Lehrstellen. So verpasst du keine Chance, wenn eine Spenglerei in deiner Umgebung jemanden sucht.
Häufige Fragen zur Spengler Lehre
Wie lange dauert die Lehre als Spengler?
Die Lehrzeit beträgt drei Jahre. Du verbringst den Großteil davon im Betrieb und besuchst zusätzlich die Berufsschule.
Muss ich schwindelfrei sein?
Ja, das ist eine wichtige Voraussetzung. Du arbeitest regelmäßig auf Gerüsten und Dächern, immer mit Absturzsicherung, aber eben in der Höhe. Beim Schnuppern merkst du schnell, ob dir das liegt.
Welche Voraussetzungen brauche ich für die Spengler-Lehre?
Du musst die neunjährige Schulpflicht erfüllt haben und eine Lehrstelle in einem Ausbildungsbetrieb finden. Dazu kommen handwerkliches Geschick, gute körperliche Verfassung und Trittsicherheit.
Was ist der Unterschied zwischen Spengler und Dachdecker?
Dachdeckerinnen und Dachdecker arbeiten mit Ziegeln, Steinen und Abdichtungsbahnen. Spenglerinnen und Spengler arbeiten mit Blech: Dachrinnen, Einfassungen, Blechdächer und Fassaden.
Kann ich die Spengler-Lehre auch mit Matura machen?
Ja. Die Lehre mit Matura ist auch in diesem Lehrberuf möglich. Sprich das am besten gleich beim Vorstellungsgespräch an, damit dein Betrieb Bescheid weiß.
Fazit: Spengler-Lehre für alle, die gern sehen, was sie geschafft haben
Die Spengler Lehre ist nichts für Leute, die nur am Schreibtisch sitzen wollen. Sie ist für dich, wenn du gern mit den Händen arbeitest, kein Problem mit Höhe hast und am Abend sehen willst, was du gemacht hast. In drei Jahren lernst du, aus flachem Blech Rinnen, Einfassungen und Fassaden zu fertigen, und du bekommst einen Beruf, der in vielen Regionen gefragt ist. Wenn du neugierig geworden bist: Schnupper rein, schau dir die offenen Lehrstellen bei SKILL UP! an und finde heraus, ob die Spenglerei dein Ding ist.