Wege zur Matura: Schule, Lehre mit Matura oder Berufsreifeprüfung — und was dir die Matura wirklich bringt

Matura heißt nicht automatisch: acht Jahre Gymnasium und danach ab auf die Uni. Es gibt mehrere Wege zur Matura, und einige davon kennen viele gar nicht. Du kannst sie in der Schule machen, neben deiner Lehre, nach der Lehre oder Jahre später, wenn du schon längst im Beruf stehst. Und dann ist da noch die Frage, die sich fast jeder irgendwann stellt: Was bringt dir die Matura eigentlich? Hier bekommst du den ehrlichen Überblick, ohne Schönfärberei und ohne Elternabend-Ton.

Wege zur Matura in Österreich: Der Überblick

Die Reifeprüfung, umgangssprachlich Matura, ist in Österreich der Abschluss, der dir grundsätzlich den Zugang zu Universitäten, Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen öffnet. Wie du dorthin kommst, ist ziemlich flexibel. Die wichtigsten Wege sind:

  • AHS, also das Gymnasium mit Unterstufe und Oberstufe oder ein Oberstufenrealgymnasium,
  • BHS wie HTL, HAK, HLW oder eine Tourismusschule, mit Reife- und Diplomprüfung,
  • Lehre mit Matura, bei der du parallel zur Lehre die Berufsreifeprüfung machst,
  • Berufsreifeprüfung nach der Lehre, wenn du die Matura später nachholen willst,
  • Abendschule oder Aufbaulehrgang für Berufstätige und Fachschul-Absolventinnen und -Absolventen,
  • Studienberechtigungsprüfung, die dir den Weg zu einem bestimmten Studium freimacht.

Klingt nach viel? Ist es auch. Aber genau das ist die gute Nachricht: Eine Entscheidung mit 14 oder 15 legt dich nicht endgültig fest. Wenn du jetzt in eine Lehre gehst, ist die Matura damit nicht vom Tisch.

Der klassische Weg: AHS oder BHS

Die meisten denken bei Matura zuerst an die Schule. In der AHS bekommst du eine breite Allgemeinbildung, von Sprachen über Mathematik bis Geschichte. Am Ende steht die standardisierte Reifeprüfung mit schriftlichen Klausuren und mündlichen Prüfungen. Einen Beruf hast du danach aber noch nicht. Wer nach der AHS nicht studieren will, steht oft ein bisschen ratlos da.

Die BHS dauert fünf Jahre und kombiniert Matura mit einer Berufsausbildung. Wer eine HTL oder HAK abschließt, hat die Reife- und Diplomprüfung und damit schon eine fachliche Qualifikation in der Tasche. Der Haken: fünf Jahre Schule, viele Wochenstunden, und Geld verdienst du in der Zeit keines, abgesehen von Pflichtpraktika. Wenn du zwischen Schule und Ausbildung schwankst, hilft dir unsere Entscheidungshilfe zu Lehre oder weiterführender Schule. Speziell für Technik lohnt sich ein genauer Blick auf den Unterschied zwischen Lehre, HTL und Fachschule.

Lehre mit Matura: Geld verdienen und Reifeprüfung gleichzeitig

Das ist der Weg, den viele unterschätzen. Du machst eine ganz normale Lehre in einem Betrieb, gehst in die Berufsschule, bekommst dein Lehrlingseinkommen, und nebenbei bereitest du dich in Kursen auf die Berufsreifeprüfung vor. Die Vorbereitung und die Prüfungen sind im Rahmen des Förderprogramms „Lehre mit Matura“ für dich kostenlos.

Die Berufsreifeprüfung besteht aus vier Teilprüfungen: Deutsch, Mathematik, eine lebende Fremdsprache (meist Englisch) und ein Fachbereich, der zu deinem Beruf passt. Einen Teil davon kannst du schon während der Lehre ablegen, die letzte Teilprüfung frühestens mit 19 und nach dem Lehrabschluss. Am Ende hast du zwei Abschlüsse: den Lehrabschluss und die Matura.

Ehrlich gesagt: Das ist kein Spaziergang. Kurse am Abend oder am Wochenende, Berufsschule, Arbeit im Betrieb, das will organisiert sein. Wie das im Alltag abläuft, liest du in Lehre mit Matura: So kombinierst du Ausbildung und Reifeprüfung. Und ja, es gibt auch Nachteile: weniger Freizeit, viel Selbstorganisation und Phasen, in denen alles gleichzeitig kommt. Nicht jeder Lehrberuf lässt sich gleich gut mit den Kursen kombinieren, Schichtarbeit oder viel Montage machen es schwieriger. Einen Überblick über alle Ausbildungen findest du bei den Lehrberufen auf SKILL UP!.

Berufsreifeprüfung nach der Lehre: Die Matura später nachholen

Du hast die Lehre schon fertig oder willst dich zuerst ganz auf die Ausbildung konzentrieren? Dann kannst du die Berufsreifeprüfung auch nach dem Lehrabschluss machen. Die Prüfung ist dieselbe wie bei der Lehre mit Matura, nur organisierst du sie selbst, zum Beispiel über Vorbereitungslehrgänge bei Erwachsenenbildungseinrichtungen. Viele machen das berufsbegleitend, oft mit ein paar Jahren Praxis im Rücken.

Der Vorteil: Du weißt dann meistens schon ziemlich genau, wofür du die Matura brauchst, etwa für ein FH-Studium, einen Kolleg-Lehrgang oder eine Position, für die sie verlangt wird. Das macht das Lernen oft leichter, weil du ein klares Ziel hast. Der Nachteil: Neben Vollzeitjob und vielleicht Familie wird die Zeit knapp. Kosten und Förderungen hängen vom Anbieter und vom Bundesland ab, deshalb lohnt es sich, vorher bei der Arbeiterkammer oder beim Anbieter nachzufragen.

Studienberechtigungsprüfung: Der gezielte Weg zu einem Studium

Die Studienberechtigungsprüfung ist keine vollwertige Matura. Sie öffnet dir nur ein bestimmtes Studium oder eine Gruppe von Studienrichtungen, zum Beispiel Informatik oder Pflege. Dafür ist sie schlanker: ein Aufsatz zu einem allgemeinen Thema und mehrere Fachprüfungen, die auf das gewünschte Studium abgestimmt sind. Voraussetzung sind ein Mindestalter und eine passende Vorbildung, etwa eine abgeschlossene Lehre. Die genauen Regeln legt die jeweilige Hochschule fest.

Dieser Weg passt, wenn du schon genau weißt, was du studieren willst, und dich nicht durch Fächer kämpfen willst, die mit deinem Ziel nichts zu tun haben. Wenn du dir alle Türen offenhalten willst, ist die Berufsreifeprüfung die bessere Wahl.

Was bringt die Matura wirklich?

Kommen wir zur großen Frage. Die Matura ist vor allem eines: ein Türöffner. Sie bringt dir

  • den Zugang zu Uni, FH und Pädagogischer Hochschule,
  • den Zugang zu Kollegs, in denen du in kurzer Zeit eine BHS-Ausbildung nachholen kannst,
  • bessere Chancen bei Jobs, die die Matura voraussetzen, etwa in Teilen des öffentlichen Dienstes oder bei manchen Ausbildungen in Gesundheitsberufen,
  • mehr Spielraum für später, wenn du dich umorientieren willst.

Was sie dir nicht automatisch bringt: einen Job. Eine Matura ohne Berufsausbildung ist am Arbeitsmarkt oft weniger wert, als viele glauben. Betriebe suchen Leute, die etwas können. Genau deshalb ist die Kombination aus Lehre und Matura so stark: Du hast etwas Praktisches gelernt und dir trotzdem den Weg nach oben offengehalten.

Bekommt man mit Matura mehr Geld?

Kurze Antwort: Es kommt darauf an. In vielen Lehrberufen zählt in erster Linie, was du kannst und welche Ausbildung du für den Job hast, also Lehrabschluss, Meisterprüfung oder Werkmeister. Die Matura allein hebt deinen Lohn dort nicht automatisch an. Anders ist es, wenn eine Stelle oder eine Einstufung die Matura ausdrücklich verlangt, etwa im öffentlichen Dienst oder bei bestimmten Angestelltenpositionen. Dann kann sie den Unterschied machen.

Langfristig geht es weniger um die Matura selbst als um das, was sie dir ermöglicht: ein Studium, eine Führungsaufgabe, eine Spezialisierung. Konkrete Zahlen findest du im Kollektivvertrag deiner Branche. Und vergiss nicht: Auch Meisterprüfung, Werkmeisterschule oder eine Zusatzausbildung können sich am Lohnzettel stärker bemerkbar machen als die Matura allein.

Welcher Weg passt zu dir?

Stell dir drei Fragen. Lernst du lieber in der Klasse oder lieber mit den Händen und in echten Projekten? Willst du jetzt schon eigenes Geld verdienen? Und weißt du schon, ob du später studieren willst? Wenn du eher praktisch tickst und Geld verdienen willst, ist die Lehre mit Matura oft die beste Kombination. Wenn du lieber noch ein paar Jahre lernst und dich breit aufstellen willst, ist die AHS oder BHS dein Weg. Und wenn du schon eine Matura hast und jetzt etwas Handfestes lernen willst, dann ist die Lehre nach der Matura mit verkürzter Lehrzeit eine Option, die du dir anschauen solltest.

Egal, wofür du dich entscheidest: Rede vorher mit Leuten, die den Weg schon gegangen sind. Viele Lehrbetriebe auf SKILL UP! unterstützen Lehre mit Matura aktiv und wissen genau, wie man Arbeit und Kurse unter einen Hut bekommt.

FAQ zu den Wegen zur Matura

Was ist eine Reifeprüfung?

Reifeprüfung ist der offizielle Name für die Matura. Gemeint ist die Abschlussprüfung, die dir die allgemeine Hochschulreife gibt, also den grundsätzlichen Zugang zu einem Studium.

Ist die Berufsreifeprüfung gleich viel wert wie die normale Matura?

Ja. Die Berufsreifeprüfung berechtigt dich genauso zum Studium wie eine Schulmatura. Für Unis, FHs und Pädagogische Hochschulen ist sie gleichwertig.

Kann ich die Matura nach der Lehre noch machen?

Auf jeden Fall. Mit abgeschlossener Lehre kannst du die Berufsreifeprüfung jederzeit machen, berufsbegleitend und ohne dass du deinen Job aufgeben musst.

Kostet Lehre mit Matura etwas?

Für Lehrlinge sind die Vorbereitungskurse und Prüfungen im Förderprogramm „Lehre mit Matura“ kostenlos. Dein Einsatz ist vor allem Zeit und Durchhaltevermögen.

Brauche ich die Matura, um eine Lehre zu beginnen?

Nein. Für eine Lehre reicht die erfüllte Schulpflicht. Mit Matura kann sich die Lehrzeit in vielen Berufen aber verkürzen, weil dir Teile der Ausbildung angerechnet werden.

Wie lange dauert die Berufsreifeprüfung?

Das hängt davon ab, wie viel Zeit du neben Arbeit oder Lehre investierst und wie viele Teilprüfungen du parallel angehst. Bei der Lehre mit Matura läuft die Vorbereitung über die gesamte Lehrzeit, berufsbegleitend nach der Lehre planen viele mehrere Semester ein. Frag am besten beim Kursanbieter nach dem konkreten Zeitplan.

Fazit: Viele Wege, ein Ziel

Es gibt nicht den einen richtigen Weg zur Matura. Schule, Lehre mit Matura, Berufsreifeprüfung nach der Lehre oder Studienberechtigungsprüfung: Alle führen dorthin, nur mit anderem Tempo und anderen Vorteilen. Die Matura selbst ist kein Job, aber ein ziemlich guter Schlüssel für später. Wenn du praktisch arbeiten und trotzdem alle Türen offenhalten willst, ist die Lehre mit Matura schwer zu schlagen. Schau dir die Lehrberufe an, such dir einen Betrieb, der dich dabei unterstützt, und bewirb dich direkt über die offenen Lehrstellen auf SKILL UP!.