Lehre mit Matura: So kombinierst du Ausbildung und Reifeprüfung
Lehre oder Matura? Falsche Frage. Die richtige lautet: Warum nicht beides? Die Lehre mit Matura ist genau der Deal, von dem dir in der Schule vermutlich niemand groß erzählt hat – obwohl er ziemlich clever ist. Du lernst einen Beruf, verdienst dein eigenes Geld und holst dir nebenbei die Reifeprüfung. Kostenlos. Ohne dass du nochmal fünf Jahre die Schulbank drücken musst.
Klingt zu gut, um wahr zu sein? Ist es aber nicht. Wir nehmen dich in diesem Beitrag einmal komplett mit: Was die Lehre mit Matura wirklich ist, wie sie abläuft, was sie dir bringt – und wo der Haken liegt. Denn den gibt es, ehrlich gesagt, auch. Los geht’s.
Was ist die Lehre mit Matura eigentlich?
Kurz gesagt: Du machst deine ganz normale Lehre in einem Betrieb – und besuchst parallel dazu Vorbereitungskurse, an deren Ende die Berufsreifeprüfung steht. Diese Reifeprüfung ist der Matura vollkommen gleichgestellt. Sie ist die „volle“ Matura, nicht irgendeine abgespeckte Version. Mit ihr in der Tasche stehen dir danach Universität, Fachhochschule, Kolleg oder ein Aufstieg im Betrieb offen.
Das Beste daran: In Österreich läuft das Ganze über das Förderprogramm „Berufsmatura: Lehre mit Reifeprüfung“. Für dich als Lehrling sind die Vorbereitungskurse und die Prüfungen kostenlos. Du zahlst keinen Cent für Kurse, Material oder Prüfungsantritte. Du investierst nur eines: deine Zeit. Und genau darum geht es weiter unten noch ausführlich.
Die vier Teilprüfungen – das musst du schaffen
Die Berufsreifeprüfung besteht aus vier Teilprüfungen. Das klingt nach viel, ist aber gut aufgeteilt und du schaffst sie nacheinander – nicht alles auf einmal. Diese vier Bereiche erwarten dich:
- Deutsch – hier geht es um Textverständnis, Argumentieren und schriftliches Ausdrücken. Nichts, was du nicht üben kannst.
- Mathematik – für viele der Angstgegner, aber mit den Kursen absolut machbar. Kein Hexenwerk, nur Übungssache.
- Lebende Fremdsprache – meistens Englisch. Praktisch, weil du das ohnehin überall brauchst.
- Fachbereich – und das ist der Clou: Dieser Teil baut auf deinem Lehrberuf auf. Du wirst also in dem geprüft, worin du sowieso schon Profi bist.
Gerade der Fachbereich macht die Lehre mit Matura so smart. Während sich Schülerinnen und Schüler in der AHS durch Fächer quälen, die sie später nie wieder brauchen, punktest du mit deinem echten Können aus dem Betrieb.
Wie läuft das zeitlich ab?
Du kannst schon während deiner Lehrzeit richtig loslegen. Drei der vier Teilprüfungen darfst du bereits während der Ausbildung ablegen. Nur die letzte Teilprüfung ist an eine Bedingung geknüpft: Sie darf erst nach deinem 19. Geburtstag stattfinden. Das ist kein Nachteil, sondern sinnvoll – so wächst du in Ruhe in die Sache hinein, statt alles in ein Jahr zu quetschen.
Die Kurse finden je nach Anbieter am Abend, an Wochenenden oder teilweise während der Arbeitszeit statt. Viele Betriebe unterstützen das aktiv, weil sie wissen: Ein Lehrling, der die Matura draufsattelt, ist Gold wert. Wichtig zu wissen: Damit alles kostenlos bleibt, solltest du mindestens eine der vier Teilprüfungen innerhalb von fünf Jahren ab Start des ersten Kurses positiv abschließen. Wer dranbleibt, hat damit null Probleme.
Was bringt dir die Lehre mit Matura konkret?
Reden wir Klartext – was hast du am Ende wirklich davon? Eine ganze Menge:
- Du hältst dir alle Türen offen. Lehrabschluss und Matura bedeuten: Du kannst danach arbeiten, studieren oder beides kombinieren. Niemand entscheidet das für dich außer dir selbst.
- Du verdienst von Anfang an eigenes Geld. Statt bis 18 oder 19 nur Schüler zu sein, hast du eine Lehrlingsentschädigung, Berufserfahrung und einen Abschluss, den Betriebe suchen.
- Du sparst dir Zeit und Geld. Die Matura am zweiten Bildungsweg nachzuholen kostet später oft Nerven und manchmal Geld. Jetzt bekommst du sie geschenkt – parallel zur Ausbildung.
- Du beweist Durchhaltevermögen. Wer Lehre und Matura gleichzeitig stemmt, zeigt jedem künftigen Arbeitgeber: Auf den ist Verlass. Das ist ein Pluspunkt, den kein Zeugnis der Welt so klar ausdrückt.
Und gerade bei uns im Mostviertel zahlt sich das doppelt aus. Die Region ist voll mit spannenden Betrieben, die händeringend nach jungen, motivierten Leuten suchen – vom Industriebetrieb über das Handwerk bis zum Büro. Wer hier eine Lehre mit Matura macht, hat später die Wahl: im Heimatort durchstarten, im Betrieb aufsteigen oder für ein Studium in die Stadt ziehen und danach zurückkommen. Du bindest dich also an nichts, aber öffnest dir alles.
Und der Haken? Ehrlich gesagt: die Zeit
Wir wollen dir hier nichts schönreden. Die Lehre mit Matura ist kein Spaziergang. Während deine Freunde am Abend chillen, sitzt du manchmal im Kurs oder über den Unterlagen. Das kostet Disziplin, und es gibt Phasen, in denen du dir denkst: Warum tue ich mir das an?
Die ehrliche Antwort: Weil sich das Durchhalten auszahlt. Tausende Lehrlinge in Österreich ziehen das jedes Jahr durch – und die allermeisten würden es wieder tun. Wenn du dir realistisch überlegst, ob du bereit bist, ein paar Jahre lang etwas Freizeit zu investieren, dann bist du schon weiter als die meisten. Und du musst es ja nicht allein stemmen: Kursleiter, Betrieb und Familie ziehen mit.
Ein Tipp von uns: Überleg dir nicht „Schaffe ich das?“, sondern „Wo will ich in fünf Jahren stehen?“ Wenn die Antwort größer ist als dein heutiges Sofa, dann weißt du, was zu tun ist.
Passt die Lehre mit Matura zu dir?
Sie passt zu dir, wenn du praktisch veranlagt bist, aber trotzdem den Kopf für mehr hast. Wenn du nicht acht Stunden am Tag im Klassenzimmer sitzen willst, aber auch nicht auf die Option Studium verzichten möchtest. Und wenn du dir gerne selbst etwas beweist.
Sie passt eher nicht zu dir, wenn du schon jetzt weißt, dass du nach der Lehre erstmal genug vom Lernen hast – und das ist völlig okay. Die gute Nachricht: Die Berufsreifeprüfung kannst du auch später noch nachholen. Der Zug fährt nicht nur einmal. Aber während der Lehre ist sie eben am günstigsten und am elegantesten mitzunehmen.
So startest du – Schritt für Schritt
Genug Theorie. Wenn du jetzt Lust bekommen hast, dann sieht dein Fahrplan ungefähr so aus:
- Finde deinen Lehrberuf. Alles beginnt mit der richtigen Ausbildung. Verschaff dir einen Überblick über die verschiedenen Lehrberufe und finde heraus, was zu deinen Stärken passt.
- Such dir den passenden Betrieb. Nicht jeder Betrieb ist gleich – manche unterstützen die Lehre mit Matura besonders aktiv. Wirf einen Blick auf unsere Lehrbetriebe in der Region.
- Bewirb dich auf eine freie Stelle. Schau dir die aktuellen offenen Lehrstellen an und schnapp dir deinen Platz. Genau hier fängt deine Zukunft an.
- Melde dich zu den Kursen an. Sobald deine Lehre läuft, sprichst du mit deinem Betrieb und meldest dich beim Kursanbieter für die Berufsmatura an. Der Rest ergibt sich Schritt für Schritt.
Noch unsicher, welcher Beruf überhaupt zu dir passt? Kein Stress. Stöbere einfach in Ruhe durch die Lehrberufe im Mostviertel – oft merkt man erst beim Durchklicken, wofür das Herz schlägt.
Lehre mit Matura oder klassische Schulmatura?
Vielleicht fragst du dich gerade: Warum nicht einfach eine höhere Schule besuchen und die Matura auf dem klassischen Weg machen? Gute Frage – und die Antwort hängt komplett von dir ab. Wer gerne den ganzen Tag lernt, viel Theorie mag und genau weiß, dass er studieren will, ist in einer AHS oder BHS oft gut aufgehoben.
Aber: Bei der reinen Schulmatura verdienst du bis zum Abschluss keinen Cent, sammelst keine echte Berufserfahrung und stehst am Ende trotzdem vor der Frage, was du eigentlich kannst. Bei der Lehre mit Matura hast du am Schluss beides in der Hand – einen anerkannten Berufsabschluss und die Reifeprüfung. Du bist also nicht nur „maturareif“, sondern auch sofort einsatzbereit im Job. Für viele ist genau diese Kombi der entspanntere und schlauere Weg. Denk einfach ehrlich darüber nach, welcher Typ du bist – und entscheide dann.
Häufige Fragen zur Lehre mit Matura
Verlängert die Matura meine Lehrzeit?
Nein. Deine Lehrzeit bleibt genau gleich lang, egal ob du die Matura draufsattelst oder nicht. Die Vorbereitungskurse laufen zusätzlich zu deiner Ausbildung – sie schieben deinen Lehrabschluss also nicht nach hinten. Du bist am Ende deiner Lehre fertig ausgebildet und hast im besten Fall schon drei von vier Teilprüfungen in der Tasche.
Was passiert, wenn ich eine Teilprüfung nicht schaffe?
Dann ist das kein Weltuntergang. Du kannst zu jeder Teilprüfung noch einmal antreten, ohne dass dir daraus ein Nachteil entsteht. Niemand erwartet, dass alles beim ersten Anlauf sitzt – wichtig ist nur, dass du dranbleibst. Die Kursleiter helfen dir genau bei den Themen, die noch wackeln.
Brauche ich super Schulnoten, um mitmachen zu dürfen?
Nein. Du brauchst kein Einser-Zeugnis, um bei der Lehre mit Matura einzusteigen. Viel wichtiger als deine bisherigen Noten ist, dass du motiviert bist und die Kurse ernst nimmst. Manche, die in der Schule eher untergegangen sind, blühen genau hier richtig auf – weil der Praxisbezug endlich passt.
Kann ich mit der Berufsreifeprüfung wirklich alles studieren?
Ja. Die Berufsreifeprüfung ist ein vollwertiger Reifeprüfungsabschluss und öffnet dir den Zugang zu Universitäten, Fachhochschulen und Kollegs – genauso wie eine AHS- oder BHS-Matura. Manche Studienrichtungen haben eigene Aufnahmeverfahren, aber grundsätzlich steht dir der akademische Weg voll offen.
Unterm Strich
Die Lehre mit Matura ist kein Trostpreis und kein Kompromiss – sie ist ein echter Doppelgewinn. Du bekommst eine solide Berufsausbildung, dein eigenes Einkommen und die Reifeprüfung, die dir jede weitere Tür aufhält. Klar, es braucht Einsatz. Aber alles, was sich am Ende richtig gut anfühlt, hat vorher ein bisschen was gekostet.
Wenn du also der Typ bist, der nicht zwischen „praktisch“ und „klug“ wählen will, sondern einfach beides nimmt: Willkommen im Club. Deine Zukunft startet nicht irgendwann – sie startet mit deinem ersten Schritt. Und den kannst du heute machen.